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Arabica & Robusta, Eine literarische Melange, Hrsg. A. Brox und K. Grol

Verlag Stories & Friends, 2009

ISBN 13:978-3-9811560-6-5, 17,90 €

Format 11,5 x 18,5

272 Seiten, gebunden

Überzug matt laminiert, Fadengeheftet

29 Geschichten, 5 Illustrationen von Degenhard u. Elena Langner

 

 

Jeder Kaffeetrinker weiß, dass dieses Getränk die Sinne schärft, die erstarrten Muskeln und Glieder erwärmt nach einem Herbstspaziergang, den Geist inspiriert, den Gaumen erfreut – und erstaunlicherweise neben all diesen anregenden Eigenschaften auch beruhigen kann. Die Wirkung zeigt sich bei den einzelnen Menschen in verschiedener Weise.

Der Verlag STORIES & FRIENDS hat mit seinem Buch „Arabica & Robusta“ den bereits bekannten Eigenschaften des Kaffees eine weitere hinzugefügt: Den literarischen Genuss. Es ist ein Vergnügen, bei einer Tasse dampfenden, duftenden „Türkentranks“ (so heißt es im Kaffee-Canon) in diesem in Papier, Druck, Layout sehr ansprechend gestalteten Bändchen zu schmökern. Da in dieser Anthologie des Genusses 29 Geschichten von 28 Autorinnen und Autoren versammelt sind, hat der Leser eine gute Ausrede, sich jedes Mal beim Lesen eine neue Tasse zuzubereiten, entweder jeden Tag oder gar gleich hintereinander?

Die Erzählungen berichten von der Vielfalt der Sorten und der Zubereitung dieses Getränkes, das nicht nur Alltagsgetränk sondern Kultur, Kult und Lebensart ist. Es ist Lebensmittel, Droge (mit Suchtpotential), Medizin und manchmal auch Fluch (wenn man ihn nicht verträgt).

Sehr phantasievolle Stories wechseln ab mit spannenden und sogar kriminellen Handlungssträngen. Immer sind sie sprachlich kompetent und ausgereift, fast immer überraschend oder amüsant. Die Herausgeber Angelika Brox und Karen Grol haben eine gute Melange zusammengebraut, wie im Untertitel des Büchleins ja schon ersichtlich ist.

Kaffeegenuss begegnet uns hier als unentbehrliches Mittel der Kommunikation, als Anreger und Aufreger, als Tröster und Grund zur Geselligkeit, als Diskussionsstoff und verbindendes Thema zwischen Fremden. Meistens wird er zu zweit, in Gesellschaft, im Büro, in Cafés oder bei Familienfesten getrunken. Der Frühstückskaffee ist dagegen sozusagen eine Wiederbelebungsmaßnahme, eine Medizin zur Anregung der Lebensgeister.

Romantische, informative, geheimnisvolle und spannende Geschichte werden gesponnen um diese im frisch geernteten Zustand zunächst unscheinbare grüne Bohne. Erst arbeitsintensive Vorbehandlung und danach die richtige Mischung der Sorten sowie der fast wissenschaftlich betriebene Röstvorgang machen ihn zu dem Zauberpulver, das vielen Menschen schon so lange zu mehr Lebensfreude verhilft.

Dichtern und Denkern verhalf er zur Inspiration, Kranken zur Genesung, Gesunden zum Genuss – was will man mehr von einem Lebensmittel. Sein Lob wurde schon zu allen Zeiten in Verse geschmiedet, von Musikern in Noten gesetzt. Am bekanntesten ist sicher die „Kaffee-Kantate“ von J.S. Bach.

Der Verlag STORIES & FRIENDS hat einen „guten Riecher“ gehabt bei der Wahl des Themas der Anthologie, die die erfolgreiche Herausgabe von Genießer-Büchern fortsetzt. Ein Buch nach dem Herzen von Süßschnäbeln und Leckermäulern war vorher schon das Bändchen:  “100 % Schokolade“, das allein schon vom Aroma her sehr gut zu „Arabica & Robusta“ passt. Wie das Sahnehäubchen auf dem Kaffee.

Norella © 2009

Zu meiner großen Freude hat sich Walter Laufenberg, der Mannheimer Autor und Jurist, eines Mannheimer Themas angenommen, das mich schon immer fasziniert hat. Es handelt sich um den Mord an August von Kotzebue durch den Theologiestudenten Karl Ludwig Sand.

Beide sind auf dem Mannheimer Hauptfriedhof begraben. Es erstaunt mich immer wieder, dass diese Geschichte, die 1819 sehr großes Aufsehen in ganz Europa auslöste, so wenig bekannt ist.

Der Roman widmet sich vor allem der Frage, was den fleißigen und bis dahin rechtschaffenen Studenten Sand aus Wunsiedel zu dieser Tat veranlasst hat. Der Autor geht dieser Frage mit akriebischer Genauigkeit nach, wandelt auf Sands Spuren als Student in Erlangen und Jena und immer wieder einmal ins Haus der Eltern nach Wunsiedel. Die Unruhe unter den Studenten, die sich mehr Freiheit für das Volk wünschten, die Abschaffung der Zensur, die Einigung der vielen deutschen Kleinstaaten zu einem einzigen freien Deutschland fand ihren Ausdruck in einer regen Beteiligung der Burschenschaften am Fest auf der Wartburg zum  Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig und zum dreihundertsten Jahrestag des Thesenanschlages von Martin Luther. Auf der Wartburg wurden die Lieder gesungen und die Schriften verfasst, die danach viele Dinge in Gang bringen sollten.

Die Französische Revolution hatte den Samen gesät, der nun nach und nach in den Köpfen der Jugend aufging. Der Autor macht deutlich, warum und wie bei Karl Ludwig Sand diese Parolen auf fruchtbaren Boden fielen. Er entwickelte sich nach und nach zu einem glühenden Patrioten und steigerte sich hinein in einen Fanatismus, der ihm und seinem späteren Opfer zum Verhängnis wurde.

Zur gleichen Zeit machte August von Kotzebue Karriere als Bühnendichter und als Diplomat in den Diensten des russischen Zaren. Diese Tätigkeit machte ihn in den Augen der revolutionaren Studenten zu einem Vaterlandsfeind, dem man auch nicht verzeihen konnte, dass er in seinen Bühnenstücken dem bürgerlichen Geschmack, dem Kleinbürgertum und den bestehenden Verhältnissen das Wort redete. Seine Stücke waren erfolgreich, die Zuschauer amüsierten sich und das war die Hauptsache. Dies alles konnte nach Meinung des Autors kein ausreichender Grund sein für den Hass, den der verblendete und fanatisierte Student Sand nach und nach gegen von Kotzebue in sich aufstaute.

Walter Laufenberg lässt seiner Phantasie freien Lauf und beschreibt alle Facetten des privaten und öffentlichen Auftretens eines jungen Menschen in seiner Zeit, einer Zeit des Umbruchs in allen Gesellschaftsschichten. Er beschreibt ebenfalls das Leben und Treiben einer aufstrebenden Stadt, die ein Anziehungspunkt in der Region und darüberhinaus war im angehenden 19. Jahrhundert. Dem Mannheimer Maimarkt widmet er ein ganzes Kapitel. Der Freiherr von Drais und sein Laufrad taucht im Geflecht der Beziehungen der Protagonisten auf, ebenso der Scharfrichter Wittmann aus Heidelberg, der noch eine wichtige Rolle spielen wird.

Wie sich die Lebenswege der Menschen auf einen Kulminationspunkt am 23. März 1819 in Mannheim hinbewegen, welche Rolle immer wieder das Hotel „Pfälzer Hof“ spielt, dies alles beschreibt der Autor sachkundig, unterhaltsam und detailgenau in diesem historischen Roman um ein unerhörtes Vorkommnis in einer Stadt, die nur durch viele Zufälle zum Austragungsort eines so dramatischen Geschehens wird. Die Liebesgeschichten, die Walter Laufenberg um den Erfinder des hölzernen Laufrades sowie um den Heidelberger Scharfrichter Wittmann und seine Friderike herumspinnt, lockern das Ganze auf und geben ihm die nötige menschliche Wärme.

Man weiß etwas mehr über die Zeitenwende vom 18. zum 19. Jahrhundert in Europa, man findet Parallelen in der heutigen Zeit, wenn man den Weg des freiheitsliebenden Studenten Sand hin zum fanatischen Patrioten und Mörder eines Unschuldigen lesend verfolgt. Nebenbei taucht man ein in das bunt gemischte Leben und Treiben der Stadt Mannheim, die mit ihrem Umland schon damals eine „Metropolregion“ war.

Walter Laufenberg hat sich an die wesentlichen Fakten gehalten und sich die Freiheit genommen, sie phantasievoll und lebendig auszuschmücken, so dass dabei die Unterhaltung nicht zu kurz kommt.

Für Mannheimer und alle Geschichtsbewussten ist das Buch zu empfehlen.

„Hotel Pfälzer Hof“

Historischer Roman

von Walter Laufenberg

verlag regionalkultur, Ubstadt-Weiher

ISBN-10: 3-89735-466-7

14,90 Euro

Wenn die Ferien anfangen oder die Schulanfänger eingeschult werden, denkt man als älterer Mensch mit gemischten Gefühlen an die eigene Schulzeit zurück. Es wird einem klar, dass das ja nur ein kurzer Abschnitt war, gemessen an dem, was dann das Leben an Lernaufgaben stellte. Das meiste lernt man doch in „der Schule des Lebens“, ob man will oder nicht, so erschent es mir in der Rückschau.

Es fällt mir keine konkrete Schule ein, wenn ich über meine Schulzeit schreib, da wir als Flüchtlinge nach dem Krieg öfter umgezogen sind und ich überall nur vier Jahre oder weniger wohnte. Trotzdem sehe ich vor meinem geistigen Auge ein düsteres, altes Gebäude mit schwarzen, öligen Holzfußböden, die ekelhaft nach Petroleum oder irgendetwas anderem rochen und glitischig waren.

Dass ich gerne zur Schule ging (ab Herbst 1947) und trotzdem Angst vor der Schule hatte, ist für mich kein Widerspruch, denn ich litt mit meinen Schulkameraden, die es sehr schwer hatten, weil sie nicht mitkamen. Sie bekamen dafür drastische Strafen in Form von Beschimpfungen wie „aus dir wird nie was“ oder „du bist doch das Dümmste, was mir je begegnet ist“ und noch schlimmer „ihr seid doch alle Inzucht, da braucht man sich ja nicht zu wundern“. Wir wussten nicht, was Inzucht ist, vermuteten aber Schlimmes. Wenn die Schüler den Lehrer ab und zu auch noch mit Absicht zur Weißglut brachten, neben der Tatsache, dass sie etwas nicht verstanden, dann gab es bei den Buben Schläge auf die blanke Rückseite oder auf die Handflächen. Bei den Mädchen glücklicherweise nur auf die Handflächen, die sogenannten Tatzen.

Es waren alte Lehrer und viel zu wenige für die vielen verschiedenen Kinder, die fast alle ihre Besonderheiten hatten, z.B. zurückgeblieben, unterernährt, unversorgt oder traumatisiert waren.

Die Handarbeitslehrerin war aus Berlin und fand es schrecklich, dass sie in ein solches Kaff im Badischen versetzt worden war. Dies ließ sie uns spüren in Worten und Taten. Wir mussten beim Nähen und Stricken mucksmäuschenstill sein, was uns als Kinder natürlich schwer fiel. „Wenn muntre Reden sie begleiten, dann fließt die Arbeit heiter fort“ dichtete Schiller, wie wir später erfahren haben. Dies hätten wir uns auch gewünscht, aber der strenge und düstere Blick von Frau Schwall ließ keine Heiterkeit zu. Dafür nannten wir sie „Schnall“, weil irgendeines der Kinder gehört hatte, dass das ein schlimmes Wort ist. Von ihr bekam ich die erste „Tatze“ mit dem hölzernen Metermaß, weil ich ein Lachen nicht unterdrücken konnte, nachdem meine Freundin ganz leise etwas Witziges gesagt hatte.

Ein anderer Lehrer verlangte 10 Pfennige in eine Kasse für jedes Fremdwort, das wir benutzten. Wir hatten keine Ahnung, was eigentlich genau ein Fremdwort ist, denn wir waren ja Erst- und Zweitklässler. Aber natürlich benutzten wir alle Wörter, die wir da und dort hörten, also auch Wörter von Erwachsenen, die vielleicht Fremdsprachen oder andere Dialekte beherrschten. Und so füllte sich die kleine Kasse und eine Scheu vor neuen Wörtern blieb bestimmt bei manchem Schüler für immer zurück.

Dieser alte Lehrer war auch unser Gesangs- und Musiklehrer. Seltsames Liedgut hatte er für uns parat aus der Jungvolkbewegung. Als er mit uns „Wer will mit uns nach Island gehn, den Kabeljau zu fangen“ einüben wollte, streikten wir, denn die Melodie war für einen Leichenzug sehr geeignet und hatte einen so tiefen Grundton, dass er uns Kinder total überforderte. Noch heute fällt mir diese Melodie manchmal ein, besonders an düsteren Tagen.

Eine der schönsten Erinnerungen an die Grundschulzeit ist das Fensterbrett im Klassenzimmer, das wir mit Moos belegen und mit Gänseblümchen, Veilchen, Schneeglöckchen, und anderen kleinen Wiesenpflanzen bepflanzen durften. Da wir sie mit den Wurzeln ausgruben und von den beschlagenen Fenstern immer Wasser herunterlief, gedieh alles prächtig und war in dem düsteren Klassenzimmer ein Lichtblick. Auch die Sandkiste in der Mitte des Klassenzimmers gefiel mir. Sie diente uns als anschauliche Landkarte, indem wir Berge und Täler, z.B. den Verlauf des Rheines von der Quelle bis zur Mündung formten. Es gab ja kaum Lernmaterial, Schreibhefte bekam man nur auf Bezugsscheine und die Landkarten des untergegangenen Deutschen Reiches waren offensichtlich verbrannt worden. Jedenfalls mussten wir uns die Karten selbst auf die Schultafel malen.

Musikinstrumente gab es erst in einer anderen Schule, die ich nach der Rückkehr meines Vaters aus der Gefangenschaft in einem anderen Wohnort besuchte. Dort wurde mit Geldern des Marshallplanes und mit einer Spende von General McCloy eine ganz neue, sehr moderne Schule gebaut, die große, helle Räume, große Fenster, einen Musikraum und sogar eine Lehrküche hatte.

Ich bekam vom Flohmarkt eine Handharmonika und ging nun nachmittags mit anderen Schülern zu dem Rektor unserer Schule in die Wohnung und lernte das Instrument. Dieser engagierte Lehrer gründete ein Schulorchester, das er bis zur einfachen Konzertreife führte.

Bei der Einweihung dieser Schule herrschte schon eine ganz andere Stimmung unter den Erwachsenen und den Schülern. Es war der Anfang der Aufbruchsstimmung, die noch einige Jahre in Deutschland anhalten sollte. Alle glaubten an bessere Zeiten. Ich wurde dazu ausgewählt, bei der Einweihungs-Feier General McCloy ein Blumensträußchen zu überreichen. Seltsamerweise bin ich die Einzige, die keine Erinnerung mehr daran hat, obwohl mich meine Schulkameraden oder andere Menschen aus diesem Ort immer wieder darauf ansprechen. Ich erinnere mich nur, dass ein Schulkamerad mir eine Tafel Schokolade mitgebracht hatte und sie mir nach dieser Zeremonie vor dem Schulhaus überreichte. Vermutlich war es die erste Schokolade, die ich bekommen hatte und ich weiß noch heute, dass ich Skrupel hatte, sie zu nehmen, weil ich eigentlich für einen anderen Jungen schwärmte, natürlich nur ganz aus der Ferne.

In dieser neuen Schule war das Lernen eine Freude. Es gab eine Lehrerbibliothek, die ich benutzen durfte, weil mein Klassenlehrer meine Lesefreude unterstützen wollte. Wir hatten als Flüchtlinge natürlich zu Hause keine Bücher (außer der Bibel) und so las ich mich quer durch diese Bibliothek, was mein Hobby blieb bis heute. Noch manch andere private oder öffentliche Dorf-Bücherei habe ich fast leergelesen und später immer wieder auch ehrenamtlich in der Ausleihe geholfen, fast bis zu meinem Rentenalter.

Nach dem Ende der Volksschule wurde meinen Eltern ein Stipendium für mich angeboten, das mir ein Lehrerstudium an einer pädagogischen Hochschule ermöglichen sollte. Nach langer Überlegung beschlossen meine Eltern, dass sie es nicht annehmen. Sie wollten keine Almosen, wie sie es nannten. Mein Vater hatte schon ein Jahr vorher meine nur ein Jahr ältere Schwester in einer Höheren Handelsschule in der Kreisstadt angemeldet und meine Mutter fand, dass es ungerecht wäre, wenn ein Kind studiert und das andere nicht. Also machte auch ich die Aufnahmeprüfung für die Handelsschule und schloss diese Ausbildung nach zwei Jahren mit Erfolg ab. Alle Schüler waren sehr fleißig, ehrgeizig und kamen aus vielen kleinen Orten des Umlandes. Das führte dazu, dass es keinen Zusammenhalt gab und dass wir uns alle ziemlich fremd blieben. Es gab damals ganz wenig Ausbildungsplätze oder Arbeitsstellen. Dies führte in den letzten Wochen vor der Abschlussprüfung zu einem unschönen Wettbewerb um die wenigen Lehrstellen. Ich hätte gerne in einer Behörde oder einer Bank angefangen. Diese Stellen waren aber alle durch die Kinder besetzt, deren Eltern Beziehungen hatten. Die Tochter eines Gymnasiallehrers bekam eine Lehrstelle bei der größten Bank der Kreisstadt und ich erinnere mich, dass ich sie sehr beneidete. Ich musste eine Stelle bei einem Holzhandel am Rande dieser Kreisstadt annehmen. Leider hatte ich einen sehr langen Anfahrtsweg mit der Bahn und einen halbstündigen Fußweg durch einen Schlosspark zu bewältigen, um dorthin zu kommen. Ein knappes Jahr später sah ich im Garten des Nachbarhauses neben der Holzfirma mitten im Winter eine ziemlich abgemagert und durchgefroren aussehende junge Frau, die von Hand Babywindeln in einem Eimer wusch. Es war die Schulkameradin, die die Stelle bei der Bank bekommen hatte. Ich habe sie weder um das Baby noch um die Windeln beneidet. Es war mir klar, dass das ihr Lebensweg für die nächsten Jahrzehnte sein würde, denn die Frauen blieben damals nach dem ersten Kind zu Hause, meistens für immer.

Der Umgang mit Zahlen machte mir keine Freude und entsprach auch nicht meiner Begabung. Deshalb hatte ich wenig erfreuliche Erlebnisse an der Höheren Handelsschule und auch später nicht an meiner Arbeit in der Rechnungsabteilung der Holzfirma, in der ich allerdings sehr viel über Hölzer, Furniere, Preiskalkulation und den Umgang mit Menschen lernte. Noch heute kann ich bei Möbeln sehr gut sehen, ob es gutes oder schlechtes Furnier ist, ob deutsches oder ausländisches Holz und wie die Verarbeitung der Oberfläche ist.

Einen Lichtblick gab es jedoch in dieser Zeit. Es war der Deutschlehrer in der Handelsschule, der mich und auch viele andere für den Umgang mit der deutschen Sprache und der Literatur allgemein begeisterte.

Alles in allem kann ich sagen, dass ich immer wissbegierig und neugierig war, gerne zur Schule ging, aber das Meiste dann doch „in der Schule des Lebens“ lernte. Ich habe während meiner ganzen Berufstätigkeit und auch später noch als Hausfrau und Mutter Kurse in der Volkshochschule besucht. Als sich mit 25 Jahren der Plan einer Auswanderung in die USA nicht realisieren ließ, ich aber meine Arbeitsstelle (wieder in einer anderen Gegend, einem anderen Ort) bereits gekündigt hatte, nahm ich alle meine Ersparnisse und ging für 3 Monate nach England, wo ich das Lower Cambridge Examen machte. Ich war auf dem Wege das nächste Examen, das Proficiency abzulegen, als leider meine Mutter sehr krank wurde und mich bat, sofort zurückzukommen und sie zu pflegen. Obwohl ich drei Schwestern habe, begrub ich alle meine Pläne und ging zurück. Keinen Moment habe ich überlegt, dass diesen Verzicht doch eigentlich auch meine Schwestern hätten leisten können.

Das Schicksal half mir jedoch danach insofern, als ich nach längerer Zeit, in der ich  in einer  Gemeindeverwaltung und auch kurze Zeit in einem großen Industrieunternehmen gearbeitet hatte, meine absolute Traumstelle fand. Ich bekam die Stelle der Chefsekretärin des Leiters des Auslandsamtes einer süddeutschen berühmten Universität. Nach einigen Jahren wechselte ich zum Philosophischen Seminar, wo ich als Institutssekretärin die kaufmännischen und verwaltungstechnischen Belange selbstständig erledigte. Dort gab es selbstverständlich eine Bibliothek, die auch mir zur Verfügung stand. Ich hätte Jahrhunderte dort bleiben müssen, um alles zu lesen.

Mit meiner Heirat endete dann diese Phase meines Berufslebens und ich zog zu meinem Mann in eine andere Stadt. Das Leben hatte nun andere Lernziele für mich parat, von denen ich zum Glück noch nichts wusste. Es war jedenfalls noch lange nicht das Ende meines „Schulungsweges“ und ist es nicht bis auf den heutigen Tag.

Herbstgedanken

Die Früchte sind bald alle geerntet, das Korn eingefahren, das Gras gemäht, die Bäume fangen an, einen letzten Farbtupfer zu setzen mit ihrem bunten Laub. Erntedankfest wird allüberall gefeiert in Kirchen und auf dem Marktplatz. Der Dank ist angebracht, denn die Früchte, das Gemüse, der Wein, alles hat heutzutage eine hervorragende Qualität, ist überall erhältlich. Mangel gibt es bei uns nicht.

Es ist also Zeit, einmal voll Dankbarkeit all der fleißigen Hände zu gedenken, die im Einklang mit der Natur gesät, gehegt, gepflegt und nun verdienterweise geerntet haben.

Bald darf sich auch der fleißigste Hobbygärtner im Sessel zurücklehnen und mal wieder in Ruhe ein Buch in die Hand nehmen. Vielleicht einen Lyrikband? Vielleicht mal wieder das schönste aller Herbstgedichte nachschlagen „Komm in den totgesagten Park und schau …“ von Stefan George oder den „Herbst des Einsamen“ von Rilke?

Ich habe mich heute für ein selteneres Herbstlied entschieden. Es ist von Theodor Storm (1817-1888) und heißt

Oktoberlied


Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!

Und geht es draußen noch so toll,
Unchristlich oder christlich,
Ist doch die Welt, die schöne Welt,
So gänzlich unverwüstlich!

Und wimmert auch einmal das Herz -
Stoß an und lass es klingen!
Wir wissen’s doch, ein rechtes Herz
Ist gar nicht umzubringen.

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!

Wohl ist es Herbst; doch warte nur,
Doch warte nur ein Weilchen!
Der Frühling kommt, der Himmel lacht,
Es steht die Welt in Veilchen.

Die blauen Tage brechen an,
Und ehe sie verfließen,
Wir wollen sie, mein wackrer Freund,
Genießen, ja genießen!




Dieses Jahr gibt es reichlich saftige, mittelgroße Birnenquitten in meinem Garten. Wenn ich Gelee koche, bleiben am Schluss viele gedünstete Quittenstückchen oder auch eine musige Masse übrig. Diese weichen Obstreste sind besonders geeignet als Belag für den schnellen Krümelkuchen, der auch einer ungeübten Hausfrau gelingt. Im Winter wird dieser Kuchen mit Zwetzschgenlatwerge (= dicke Zwetschgenmarmelade) als Füllung gebacken oder mit Sauerkirschen aus dem Glas.

Hier das Rezept:


Zutaten:

50 g Mondamin

200 g Mehl

1/2 gest. KL Backpulver

1 Eigelb

150 g Zucker

150 g Butter oder Margarine

Füllung:

500 g beliebiges vorbereitetes Obst, (Sauerkirschen a.d. Glas, Quitten gedünstet)

1 P. Vanillezucker

Zubereitung:

Mondamin, Mehl und Backpulver in eine Schüssel geben. Eigelb, Zucker und weiches Fett daraufgeben und alles mit einem Handrührgerät auf niedriger Schaltstufe gut verkneten bis sich Streusel bilden.

3/4 der Teigmenge auf den Boden einer gefetteten Springform (26 cm) bröseln, Obst oder  Zwetschgenlatwerge auf den Teig legen und evtl. Vanille-Zucker darüberstreuen.

Den restlichen Teig darüberbröseln, die Springform in den vorgeheizten Backofen schieben und backen.

E-Herd: 200-225 Grad

25-35 Minuten


Dieser Kuchen kann auch warm serviert werden mit einem Klacks Schlagsahne oder Sauerrahm.

Demenz, Buch von Tilman Jens

Nachruf für einen Lebenden

Rezension des Buches von Tilman Jens:

Demenz

Abschied von meinem Vater

Gütersloher Verlagshaus, 2009

144 Seiten, 17,95 Euro

Tilman Jens, der Sohn von Professor Walter Jens, der den ersten Lehrstuhl für Rhetorik an der Universität Tübingen inne hatte, hat in diesem bewegenden Buch schon jetzt seinem sehr verehrten und geliebten Vater ein Denkmal gesetzt, das ihm als Autor nicht gerade enthusiastische Anerkennung, als Mensch aber Häme und Verriss eingetragen hat.

Ein Mann des Geistes und des geschliffenen Dialoges

Walter Jens war zeitlebens ein Mann des Geistes, hat als Philologe, Literaturkritiker, Schriftsteller und Rhetorikprofessor unzählige Ehrungen erhalten und war und ist ein

viel gelesener Autor und eine hoch verehrte Geistesgröße von internationalem Format.

Um so schwerer ist es für seine große „Fan-Gemeinde“ zu akzeptieren, dass dieser Mann nun ein Pflegefall geworden ist und der umfassenden Fürsorge seiner Angehörigen und einer Pflegekraft anvertraut werden musste. Er ist auf dem Stand eines Kleinkindes, das im Hier und Jetzt lebt, den Tag nimmt wie er kommt, sich gerne mit Tieren und naturverbundenen einfachen Menschen umgibt, die ihn nehmen, wie er ist. So weit man es beurteilen kann, ist er glücklich, da auch sein Wollen und Wahrnehmen durch die Minderleistung des Gehirns beeinträchtigt ist.

Den Verehrern und Weggefährten von Walter Jens fällt es offenbar schwerer als der Familie, ihrem Idol in Liebe zu gestatten, nun das Leben eines Kleinkindes zu führen, so wie es das Fortschreiten der Demenz verlangt. Er ist im inneren Kern ja immer noch der Mensch, der er immer war, nur die äußere Hülle dieser ehemaligen Geistesgröße, des Rhetorik-Professors, des wortgewaltigen Gesprächspartners hat er abgeben müssen. Seine Familie muss diese Verwandlung hinnehmen, ohne ihm ihre Liebe und ihr Mitgefühl aufzukündigen. Seine Fans müssen es noch lernen.

Das Buch „Demenz“ – ein Versuch der Rechtfertigung

In der langen, schweren Phase der Wesensveränderungen, der ersten, nicht eindeutig erkennbaren Krankheitszeichen, musste Familie Jens leider die selben unerfreulichen Erfahrungen machen, wie viele andere Familien auch, deren Angehörige eine Demenz entwickeln. Das Abwiegeln durch die behandelnden Ärzte, wenn Angehörige die irritierenden Anzeichen der Veränderungen schildern, die Vertröstungen, die Verdächtigungen, das Hinausschieben der Diagnose. Den meisten Medizinern fehlt der Mut, den Namen der Krankheit auszusprechen oder als Wort in einen Krankenbericht zu schreiben. Es werden Umschreibungen benutzt, die eigentlich alle Warnglocken zum Klingen bringen müssten. Aber als Abkürzung, als medizinischer Fachbegriff werden sie leicht übersehen oder gerne auch von Angehörigen ignoriert in der Hoffnung, dass man sich geirrt hat.

Tilman Jens beschreibt diese schwere Zeit, durch die die Ehefrau Inge Jens und die Söhne von Walter Jens hindurch mussten. Er beschreibt dies so sachlich wie möglich und so emotional wie nötig, aber auch schonungslos, wenn die Wahrheit es gebietet. Warum sollte er verschweigen, dass viel Zeit verloren gegangen ist, in der eine frühzeitige Behandlung mit den derzeit zur Verfügung stehenden Mitteln (Memantine, Galantamin u.a.) möglich gewesen wäre? Der dramatische Verlauf der vaskulären Demenz vom Typ Alzheimer, an der sein Vater erkrankt ist, hätte um ein bis zwei Jahre hinausgeschoben werden können.

Leidensweg der Familie Jens

Der Autor schildert den Leidensweg seines Vater sowie der Familie und des engeren Freundeskreises. Besonders Freunde und Weggenossen des hoch geschätzten Geisteswissenschaftlers Walter Jens konnten und wollten den Verfall seiner Geisteskräfte nicht annehmen, die Krankheit nicht akzeptieren. Das führte zu Verdächtigungen der näheren Angehörigen, zu Missverständnissen, die Tilman Jens in diesem Buch erklären und ausräumen möchte.

Wegen seiner Offenheit in der Beschreibung von Momentaufnahmen des täglichen Lebens mit einem Demenzkranken wurde er nach Erscheinen des Buches beschimpft, der Indiskretion und Lieblosigkeit bezichtigt, der böswilligen Abrechnung mit dem Vater. bes Eine Abrechnung ist es immer, wenn erwachsene Kinder sich erinnern an versäumte Gelegenheiten im Umgang mit den Eltern, an nicht geführte Gespräche, nicht gespielte Spiele, versäumte Gelegenheiten zur Kommunikation. Das bleibt fast niemandem erspart, schon gar nicht den Kindern von berühmten Persöhnlichkeiten, die verständlicherweise oft in der zweiten Reihe stehen müssen zugunsten der Anforderungen, die das öffentliche Wirken der Eltern mit sich bringt. Tilman Jens beschreibt dies in Form einer „nachgetragenen Liebe“, wie der Schriftsteller Peter Härtling dies in einem Buchtitel so treffend formuliert hat.

Es ist eine Frage des Geschmacks oder der Moral, ob es richtig war, dass Tilman Jens dieses Buch über seinen Vater geschrieben hat. Eine Mahnung ist dieses Buch jedenfalls für alle Leser, dass dieses Altersleiden jeden, wirklich jeden, treffen kann.

Wer sich zutraut, diese Wahrheit zu ertragen, wird dieses Buch lesen wollen.

Quittenschnitze im Ausbackteig

Es ist Quittenzeit! Da gilt es, Gelee und Marmelade zu kochen oder auch eine ganz andere Köstlichkeit, wie z.B. Quitten in Öl ausgebacken. Man nehme:

600 g Quitten

1 Essl. Butterschmalz zum Dünsten der Schnitze

Zutaten für den Ausbackteig:

125 g Mehl

1 Teel. Zucker

1 Prise Salz

1 Pk. Vanillezucker

1/4 abgeriebene Schale einer Zitrone

125 ml Dunkles Bier

2 Eier

Butterschmalz oder Pflanzenöl zum Ausbacken

2 Essl. Brauner Zucker zum Bestreuen

QUELLE

B. Rias-Bucher

Der bayerische Kuechen-

kalender

Quitten wie Aepfel schälen, längs vierteln und das Kerngehäuse

herausschneiden. Viertel in Spalten schneiden und im heissen Butterschmalz zugedeckt bei schwacher Hitze 15 Minuten dünsten.

Mehl mit Zucker, Salz, Vanille, Zitronenschale und Bier verrühren. Eier daruntermischen. Abgekühlte Quitten zugeben und die Schuessel etwas rütteln, damit die Quitten vom Teig überzogen sind.

Quittenspalten mit einer Gabel herausnehmen und portionsweise im heissen Fett bei mittlerer bis schwacher Hitze in etwa vier Minuten goldgelb braten. Auf Küchenpapier abtropfen lassen und mit Zucker bestreut heiß anrichten.

Ansichtskarten schreiben

Ist Ansichtskarten schreiben bald Schnee von gestern?

Seit Jahren bekomme ich von Nichten und Neffen, Freunden, Kollegen, Bekannten, im Sommer die herrlichsten Ansichtskarten aus aller Welt. Alle wissen, dass ich fast immer zu Hause bin und wollen mich teilnehmen lassen an ihren Erlebnissen. Exotische Briefmarken machten so manche Karte zu einer kleinen Kostbarkeit – jedenfalls für Briefmarkensammler, die diese dann von mir bekommen, aber erst im nächsten Sommer.

Auf diese Weise hat jeder etwas von der Reise, die meine Lieben machen. Auch der Briefträger, schließlich muss er diese ja auch anschauen und sei es nur, um die Anschrift zu lesen. Es sei ihm vergönnt, dass er dabei auch die Ansicht auf der Vorderseite und vielleicht das eine oder andere Wort auf der Rückseite genießt.

Dieses Jahr aber habe ich erst drei bekommen. Das Telefonieren aus jedem Winkel der Welt hat die Rolle der Panoramakarten in 3D und der Hochglanz-Sonnenuntergänge übernommen. Meine Fantasie ist gefordert. Anruf vom Sohnemann: „Mama, ich stehe hier gerade am Ground Zero und wollte mal probieren ob das funktioniert mit dem Handy“. Viel folgte nicht mehr, denn andere Leute standen auch dort und telefonierten und er hörte fast nicht, was ich sagte. Ich meinerseits dachte, dass es doch vielleicht auch noch andere Dinge gibt, die man am Ground Zero tun könnte, als telefonieren. Aber schön fand ich es doch, dass er an mich gedacht hatte.

Ärgerlich war ein Anruf einer liebe Bekannten, die gerade an einem Wasserfall in Sonstwo stand. Ich verstand mit Mühe und Not ihren Namen und hatte ansonsten ein Rauschen und Brüllen im Ohr, denn auch andere Urlauber versuchten angesichts des Wasserfalles einen Bericht zu Hause abzuliefern.

Manche bringen es fertig, eine E-Mail von unterwegs zu schicken. „Bin hier im Internet-Café in Timbuktu. Wahnsinnig schön und heiß hier. Toll, dass es hier auch schon Internet-Cafés gibt. Viele Grüße, ……“

Ich rufe also ebenfalls im Internet alle diese Orte auf, es gibt ja schließlich Google-Earth.

Bestechend gute und hinreißende Ansichten liefert mir das Web und doch fehlt mir etwas.

Der Gedanke, dass sich jemand die Mühe gemacht hat, eine Karte speziell für mich auszuwählen, sich in ein Café in einem fernen Land zu setzen und mir eigenhändig ein paar Eindrücke schriftlich zu widmen. Dann noch eine schöne Briefmarke zu besorgen – was für ein Aufwand für die alte Tante. Aber doch auch herzerwärmend, mitten im Sommer.

Nun sind ja viele junge Leute nicht mehr so leicht des Wortes mächtig, hört man von Zeit zu Zeit. Sie müssen ja auch ihre Botschaften immer in Kürzeln und auf engem Raum per SMS auf einem kleinen Apparat unterbringen, der sie dann in Windeseile weiterleitet. Das ist doch Stress pur. Es darf nichts schiefgehen, denn es ist gleich weg. Man stelle sich vor, die richtigen Worte sind gefunden, mit Herzblut geschrieben – und drei Tage später stellt sich heraus, dass sie an die falsche Nummer geschickt wurden. Da lässt sich nichts mehr radieren oder durchstreichen. Weg ist weg, das Missverständnis ist in der Welt.

Das ist doch ein Argument für das Ansichtskarten abschicken und bedächtig formulierte Briefe auf lila Briefpapier zu verfassen und auf den langen und spannenden Postweg zu bringen.

Der Empfänger fühlt sich geehrt, weiß so viel Mühe zu schätzen und schreibt deshalb meist schnell zurück. So bleiben die Briefträger, die Bahn, das Postflugzeug, die Papierindustrie in Arbeit und Brot. Und der Empfänger freut sich wieder. Und kann die Ansichtskartensammlung vergrößern.

Mein Schwiegervater, der um 1900 geboren ist, hatte uns in seinem Nachlass neben vielen Klassikern und anderem interessantem Lesestoff ein kleines, abgegriffenes und eigenartig geknicktes und gealtertes Büchlein hinterlassen mit dem Titel: 100 Grüße auf Ansichtskarten“ (siehe auch Xinxii.com, „100 Grüße ….“, von Nora Zorn, 2 Euro). Obwohl damals Gymnasiast und bestimmt nicht gerade Analphabet, hat er reichlich davon Gebrauch gemacht, das zeigt die Form des Büchleins, denn es ist von den Reisen in der Hosentasche verformt und hat vier runde, ausgefranste Ecken. Es ist eine Freude, heutzutage Lesestoff in Händen zu halten, der so vielgelesen ist, dass das Büchlein ausgeleiert und mitgenommen aussieht.

Es gab da vorgefertigte Sprüche für die Reise durchs flache Land, die Klettertour im Gebirge, die Reise zur Kur in Bad Irgendwo, die Radtour mit dem Kegelverein, die Gemeinschaftsreise des Jungfrauenvereins der Pfarrgemeinde Kaschtelhuber. Aus Rom und Florenz konnte man hieb- und stichfeste literarische Ergüsse an die Lieben zu Hause schicken, man sparte Zeit und Nachdenken über Rechtschreibregeln und Kommasetzung.

Hier eine kleine Kostprobe:

Was sagt der Freund zu dieser Reise,

die schon lange ich geplant,

ohne dass er es geahnt?

Ihm zu melden, wo ich blieb,

ich jetzt diese Karte schrieb.

oder:

Damit Du siehst, ich denke dein,

schick‘ ich Dir diesen Kartengruß,

Oh, wenn du könntest bei mir sein,

so hätt‘ ich doppelten Genuss

und wenn Papa mal alleine fort musste:

Dein herzig Bild erblickt mein Geist -

Oh, wärest du doch mitgereist!

Es konnt‘ nicht sein,

du Liebling mein!

Drum bring‘ dies Kärtchen meinen Gruß,

dazu den allerschönsten Kuss!

oder schlicht und ergreifend:

Das Bild der Karte ist doch schön?

Drum komm, die Stadt bald nah zu sehn!


Auch Computerfreaks, Bücherwürmer und rundum internetfeste Senioren wissen häufig nichts Rechtes mit dem Begriff „eBook“ anzufangen. Da inzwischen jedoch schon fast alle renommierten Verlage ihre Klassiker auch als eBook anbieten (zusätzlich zur Printausgabe), sollte man sich diesen Begriff vielleicht mal näher ansehen.

Die meisten Fragen in Bezug auf eBooks lauten: Kann man es in die Hand nehmen, umblättern – und was hat so ein elektronisches Buch überhaupt mit einem Buch zu tun?

Ein eBook, besser: eine eBook-Edition ist ein sogenanntes elektronisches Buch, das nicht gedruckt, sondern als Datei vorliegt.

Man bekommt eBooks über reine eBook-Verlage (z.B.aaronis-collection.com, internet-edition.com, Magic Buchverlag, xlibri.de, tolleseite.de, dibi.de) oder über alle großen und wenige kleinere Print-Verlage übers Internet als E-Mail-Anhang, auf Diskette oder auf CD-Rom. Es handelt sich im allgemeinen um pdf-Dateien, die mit dem kostenlos erhältlichen Reader von Adobe gelesen werden können. Es kommen immer mehr andere Formate dazu, damit fast jedes Lesegerät, nicht nur der PC, die Bücher erkennen kann.

Und wie kann man den Inhalt einer eBook-Edition auf seinen Computer oder ein Lesegerät laden? Ich zitiere nachstehend, was der aaronis-collection-Verlag auf seiner Homepage dazu schreibt:

„Sie können die eBook-Edition mit dem Acrobat-Reader, den Sie über unsere Homepage von der Seite von Adobe auf Ihren Computer laden können, lesen. Dazu rufen Sie auf Ihrem Computer den Acrobat Reader auf und öffnen danach die Datei Ihrer eBook-Edition. Den Bestell-Button für den Acrobat-Reader finden sie auf unserer Angebotsseite. Oft liegt der Acrobat-Reader auch auf den CD-Roms der Computer-Zeitschriften bei, so dass Sie ihn sich von dort auch installieren können.“

Welche Vorteile hat eine eBook-Edition gegenüber herkömmlich bedruckten Büchern, fragt sich nun der Bücherwurm, der bisher den Duft des Papiers, das Gewicht des Buches, das wunderbare Gefühl beim Öffnen der ersten Seite eines nach Druckerschwärze und Farbe riechenden Buches geschätzt und genossen hat?

Ein großer Vorteil des eBooks ist, dass man die Schriftgröße mit Hilfe des Acrobat Reader verschieden einstellen, d.h. enorm vergrößern kann. Jedenfalls weit größer, als dies z.B. bei Büchern in Großschrift möglich ist. Für ältere Menschen und Sehbehinderte ist das ein wichtiger Punkt.

Da der Computer ja in gewisser Weise ein Zauberding ist, kann man sich den Text auch vom PC vorlesen lassen. Das ist für Menschen mit extremer Sehschwäche sicher ein Segen, wenn auch die mechanische Sprache des Computers etwas gewöhnungsbedürftig ist.

Es gibt Menschen mit Arthritis oder sonstigen Einschränkungen, die ein dickes Buch nicht mehr oder nicht über längere Zeit in der Hand halten können. Diese brauchen sich nur an den Computer zu setzen und  mit einem Finger die Vor- und Zurück und die Rauf- und Runter-Taste zu betätigen oder die Vergrößerung bei „Darstellung“ einzustellen.

Ganz nebenbei stellt man dann auch noch fest, dass ein eBook erschwinglicher ist als ein Print-Buch.

Eltern werden feststellen, dass viele Kinder lieber am Computer lesen, als ein Buch in die Hand zu nehmen. Die eBook-Editionen haben den Vorteil, das sie weder Fettflecken noch Eselsohren bekommen können.

Die Eltern können das eBook für kleinere Kinder ja auch ausdrucken und es macht dann auch gar nichts aus, wenn das Kind mit Stiften darin herummalt oder sogar die Bilder ausschneidet. Das eigentliche Buch bleibt ja erhalten und kann immer wieder ausgedruckt werden.

Und wenn man das eBook doch gerne im Bücherschrank stehen haben möchte? Kein Problem, dann bestellt man es eben als eBook-Edition auf CD-Rom mit schöner DVD-Hülle mit Cover, Klappentext und Rückentitel. So steht es dann, von Kinderhänden unberührt, im Bücherschrank und unterscheidet sich kaum von einem gedruckten Buch.

Die meisten Verlage verlangen Vorkasse. Nach dem Ausfüllen der Bestellung erhält man eine Bestätigungsmail an die eigene E-Mail-Anschrift. Nach Eingang des Betrages auf dem Konto des Verlages, schickt dieser die eBook-Edition als E-Mail-Anhang (pdf-Datei) direkt auf den Computer oder als CD-Rom per Post.

Ich finde, dass diese neue Art des Lesens viele Vorzüge hat. Das Print-Buch wird von diesem neuen Medium sicher nicht verdrängt, aber ergänzt. Viele Zeitungsverlage machen inzwischen auch schon Gebrauch von dieser Art des Lesens. Das eBook wird seinen Weg machen, je mehr Zeit die Menschen ohnehin am Computer verbringen und auch aus wirtschaftlichen Gründen. Denn ein gutes Print-Buch hat seinen Preis  – und manche gedruckten Bücher sind für den einen oder anderen schon heute fast unerschwinglich.

Amazon hat ein eBook-Lesegerät, genannt  KINDLE, auf den Markt gebracht. Auch von SONY gibt es ein Lesegerät. Leider sind die Geräte immer noch recht teuer und auch in Deutschland oft nicht erhältlich. Das ist aber nur eine Frage der Zeit, denn der Siegeszug des eBooks ist nicht mehr aufzuhalten. Über Amazon gibt es das KINDLE inzwischen in Englisch, d.h. man kann nur englische Ausgaben von Büchern bestellen. Es soll auch bei Amazon ein großformatiges Gerät herausgebracht werden für Zeitungen und Zeitschriften.

Man sollte sich also ruhig schon mal mit dieser neuen Art des Lesens befassen. Eines ist sicher: Man braucht dann kaum noch Bücherregale. Und das wäre doch auch ein nützlicher Aspekt (nicht für IKEA),

meint

Norella © 2009

 

Man lernt nie aus, pflegte meine Mutter zu sagen. So lernt auch Oma immer noch etwas dazu, manchmal durch Zufall.

 

Durch meine Teilnahme an einem Literatur-Wettbewerb hörte ich vor Jahren zum ersten Mal von „Electronic Books“. Beim damaligen Adina-Online-Verlag wurden dann einige meiner Kurzgeschichten in Jahreskalendern veröffentlicht und außerdem wurde meine biografische Erzählung „Das Kind unter dem Tisch“ als eBook herausgegeben. So lernte ich eBook-Publishing kennen. Ein Electronic Book kann man sich als pdf-Datei auf den PC herunterladen und dort speichern und lesen. Man kann das eBook aber auch auf den eBook-Reader „KINDLE“ von Amazon sowie den Reader von SONY laden und auf bequeme Weise bei sich tragen und an jedem Ort lesen, auch bei schwacher Beleuchtung. Leider sind diese Reader noch immer sehr teuer.

 

Obwohl ich selbst ein gedrucktes Buch vorziehe, habe ich inzwischen erkannt, dass so ein Lesegerät den Vorteil hat, dass es gerade so viel wiegt wie ein dünnes Buch, dass es aber hunderte von Büchern speichern kann. Es ist also kein Problem, mit Hilfe eines eBook-Readers eine kleine Bibliothek in den Urlaub mitzunehmen. 

 

Nun haben sich die Verbraucher gerade mal an die Existenz von eBooks gewöhnt und müssen feststellen, dass es längst eine noch praktischere Sache gibt, nämlich die

 

Mobilebooks.

 

Ein Mobilebook wird per SMS aufs Handy geladen (z.B.mobilebooks.com). Herausgegeben sind diese Bücher vom Verlag Blackbetty.at, der sich auf Small-Screen-Publishing spezialisiert hat.

 

So ein Mobilebook hat im Vergleich zum eBook den Vorteil, dass man es jederzeit und an jedem Ort direkt auf das Handy laden kann ohne den Umweg über den Computer. Es kann gespeichert und jederzeit zum Lesen abgerufen werden, auch wenn das Handy nicht online ist. Notwendig ist allerdings, dass es ein JAVA™-fähiges Gerät mit dem Standard MIDP 2.0 ist. Ich habe selbst keine Ahnung, was das ist, aber so habe ich es auf der Website von Blackbetty.at und bei Mobilebooks.com gelesen. Vermutlich ist es von Vorteil, wenn das Handy ein großes Display hat. Das erleichtert die Lesbarkeit der Texte.

 

Ein weiterer Vorteil des Lesens auf dem Handy ist, dass man die Schrift nach Bedarf vergrößern oder den Text in Querformat umwandeln kann. Auch Lesezeichen kann man setzen und eine Beleuchtung dazuschalten. Diese Funktionen sind über „Menü“ abrufbar. Die Texte sind meist für eine Lesezeit von 10 Minuten (150 KB) vorgesehen.

 

Ein großer Vorteil des Mobilebooks ist auch, dass die Bezahlung (1,99 – 5.00 Euro) ebenfalls per Handy erfolgt. Je nach Betreiber können noch Kosten für die Ladezeit dazukommen.

 

Da heutzutage fast jeder ständig ein Mobiltelefon bei sich trägt, kann er sich durch Mobilebooks Wartezeiten an der Bushaltestelle oder lange Bahnfahrten durch die Lektüre von spannenden, unterhaltsamen oder nützlichen Texten versüßen. Diese Art des Lesens wird sicher keine ernsthafte Konkurrenz für die gedruckten Bücher sein, aber die Vorteile des „mobilen“ Kaufs von Lesestoff und der Verfügbarkeit zu jeder Zeit an jedem Ort liegen sozusagen auf der Hand und „in der Hand“ des Handy-Besitzers.

 

Es gibt Verlage, die speziell diese Small Screen Ausgaben von Büchern herstellen und vertreiben. Gleichzeitig werden inzwischen von etablierten Verlagen wie z.B. Heyne bereits vorhandene Print-Ausgaben von Büchern für diese Art des Lesens bearbeitet und z.B. bei Blackbetty.at herausgegeben.

 

So, jetzt habe ich versucht, das Loblied der mobilen Literatur zu singen und muss der Ehrlichkeit halber zugeben, dass ich selbst kein brauchbares Handy mit JAVA  und sonstigem Pipapo habe. Aber ich habe ein paar kleine Mannheim-Geschichten geschrieben, die beim Verlag Blackbetty.at als Mobilebook veröffentlicht sind (Titel: „Mannheimer Mini-Mosaik“, von Nora Zorn).

 

Nun wird es aber Zeit, mir ein besseres Handy zuzulegen.  

 

 

 

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