Immer wieder bin ich beeindruckt von der Zufälligkeit der Ereignisse. Schon viele solche Zufallsgeschichten habe ich in meiner Sammlung, aber diese hier ist gerade erst passiert, als ich per Mail von einer Schreibfreundin ein sehr gelungenes Foto einer weißen Christrose erhielt. Ich bedankte mich gleich für die Aufmerksamkeit und lobte die Qualität des Fotos und den fotografischen Blick der Absenderin.
Heute früh schickte sie mir zum Foto gleich auch noch ein Gedicht, das sie über Nacht über die Christrose geschrieben hatte. Auch darüber freute ich mich, hatte aber inzwischen zu tun, denn ich hatte endlich angefangen, meinen Bücherschrank umzusortieren. Ich wollte das oberste Fach direkt unter der Zimmerdecke ausräumen und es nach unten verlegen und somit leichter erreichbar machen. Die oberste Bücherreihe hatte ich seit Jahren nicht ohne eine Leiter erreichen können und wusste nicht genau, was für Schätze sich dort befanden. Bei dieser Arbeit fiel mir ein schmales Büchlein direkt vor die Füße. Ich legte es unbesehen auf die Seite, weil ich erst einmal die Bücherstapel auf meinen Armen an Ort und Stelle sortieren wollte. Später wollte ich eine Teepause machen. Beim Weg ins Erdgeschoss, sah ich auf der Treppe das beiseite gelegte Bändchen und dachte, dass ich das beim Teetrinken durchblättern könnte. Der schön gestaltete Umschlag hatte mich angezogen.
Der kleine Band war von Zenta Maurina, einer lettischen Schriftstellerin, die hierzulande sehr zu Unrecht etwas in Vergessenheit geraten ist. Schon auf der zweiten Seite blieb mein Blick an einem Holzschnitt haften, denn wann sieht man denn heutzutage Holzschnitte in einem Belletristikbuch? Beim näheren Hinsehen stellt es sich heraus, dass das Helle, das sich so aus dem Dunkel der Darstellung abhob, eine C h r i s t r o s e war. Nun war meine Neugierde vollends geweckt. Ich las gleich die ganze Geschichte, die daneben stand.
Es war eine Legende über den geheimnisvollen Ursprung der Christrose. Da die Bücher von Zenta Maurina (leider) nur noch über den antiquarischen Buchhandel erhältlich sind, habe ich die Geschichte natürlich sofort abgeschrieben, um sie meiner Schreibfreundin als Dank für das Christrosen-Foto zu schicken. Da auch sie ein Mensch ist, der sich noch über Zufälle wundert, weiß ich, dass sie sich freuen wird. Und nun werde ich die Geschichte noch in der Kategorie „Lesen“ ins Netz stellen, denn wer weiß, ob ich nicht durch Zufall das Büchlein wieder einmal für Jahre verlege oder gar verliere?
Das Büchlein heißt übrigens „Im Anfang war die Freude“, die Legende ist unter dem Titel „Das Lächeln des Jesuskindes“ gleich als Anfangsgeschichte zu lesen. Die Holzschnitte sind von Went Strauchmann.