Diese Kleine Legende fiel mir heute durch ein wiedergefundenes Büchlein von Zenta Maurina in die Hand. Das Bändchen heißt „Im Anfang war die Freude“, die Legende findet man zusammen mit einem schönen Holzschnitt unter dem Titel „Das Lächeln des Jesuskindes“ in dem Büchlein. Es ist im Maximilian Dietrich Verlag Memmingen erschienen (1964).
Foto: Ute Leser

Das Lächeln des Jesuskindes
Schön ist alles, was Himmel und Erde verbindet; der Regenbogen, die Sternschnuppe, der Tau, die Schneeflocken, doch am schönsten ist das Lächeln eines Kindes, das die himmlischen Wiesen noch nicht vergessen hat.
Es schneit. Vom Himmel fallen weiße kleine Blumen, die im Sommer als Duft in den Himmel stiegen? Auf Dächern, Bäumen und Sträuchern erstarren sie zu geometrischen Kristallen.
Jesus war in einer fremden Stadt, in einem dunklen Stall geboren. Seine Eltern waren Flüchtlinge – an den Augen sah man es ihnen an. Sie waren Menschen, die nicht einmal ein Stück Erde für ein eigenes Grab besaßen; Schattenwesen, denen niemand gern die Tür öffnet und noch weniger gern setzt man
Foto: Ute Leser
sich mit Enterbten an einen Tisch:
Im Stall beim Vieh habt ihr’s gut genug. Ins Haus lässt man Fremde nicht hinein.“
Maria kniete an der Krippe und der Dorn, den die Behausten in ihr Herz gestochen hatten, tat sehr weh. So klein, hilf= und schutzlos lag das neugeborene Kindlein auf nackten Strohbündeln. Durch das undichte Stalldach blies ein eisiger Wind. Maria zog die Krippe zu den Ochsen, Kühen und Schafen heran, die mit ihrer dampfenden Wärme nicht geizten. Sie hauchte ihren Atem auf die winzigen Händchen und zarten Füße.
Da fiel eine Schneeflocke aufs Stroh, ein großer weißer Stern, und das Jesuskind lächelte, es lächelte zum ersten Mal. Über dieses Lächeln war Maria so glücklich, dass ihr der Stall für die Größe ihres Glücks zu eng erschien.
Sie ging hinaus ins Freie. Tiefer Schnee lag um den Stall. Alle Pfade waren verdeckt, ob sie in die Wüste oder in einen Garten führten. Die Erde war mit einem Leichentuch ohne Risse und Nähte, ohne Flicken und Flecken überzogen, man sah weder Sumpf noch Steine, weder die Spur eines Menschen noch die eines Tieres.
Am schwarzen Himmel leuchtete ein einziger Stern und in seinem Licht erblickte Maria weiße Blüten im Schnee.
Als sie mit den Blumen in der Hand in den Stall zurückkehrte, leuchtete das Stroh wie Gold und der ganze Raum war von einer blendenden Helligkeit erfüllt.
Wer C h r i s t r o s e n verschenkt, bringt das erste Lächeln des Jesuskindleins ins Haus.
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