Zeitschriften-Rezension
TENGO – Lust auf Später
Jahresmagazin
Herausgeber: der PARITÄTISCHE
(2007 federführend: PARITÄTISCHER Niedersachsen)
Marketing und Vertrieb: Ziel-Marketing, Stuttgart
(Inzwischen ist das Heft 2/2008 herausgekommen. Da ich es noch nicht gelesen habe, kommt eine Rezension der neuen Ausgabe später)
Sehr viel Auswahl gibt es ja nicht für Menschen über 50, wenn es um Zeitschriften und Magazine geht. Die meisten Senioren sind als Schüler mit BRAVO aufgewachsen, haben sich zu BRIGITTE, FREUNDIN, FÜR SIE, GALA u.a. weiterentwickelt und die Herren der Schöpfung waren meist beglückt von Auto- und Motorradzeitschriften.
Zweifellos ist man irgendwann den Zeitschriften entwachsen, die sich hauptsächlich mit Mode, Kosmetik, Frisuren oder mit den Problemen der Heranwachsenden beschäftigen. In den letzten Jahren gab es Ableger der oben genannten Zeitschriften, die sich an die erwachsenere Frau und/oder den Mann richten. Sieht man aber genau hin, ist der Unterschied nicht besonders groß. Auch hier geht es um Äußerlichkeiten, um das Aussehen, das Zu- und Abnehmen, Schönheit, Mode, Sport und Liebe.
Was aber treibt gereifte Menschen um, welche Fragen an das Leben, die Politik, die Zukunft haben sie? Natürlich haben auch sie weiterhin Liebesbeziehungen, haben Freude an schönem Outfit, schönem Wohnen, am Ausgehen, gutem Essen und am Reisen. Mit zunehmendem Lebensalter kommen jedoch noch einige andere, zukunftsweisende Fragen hinzu. Man bekommt das eine oder andere Zipperlein, die Kinder gehen aus dem Haus und es wird einsamer um die Eltern herum, die eigenen Eltern werden alt oder pflegebedürftig. Der eine oder andere muss sich sogar mit dem Thema Sterben und Tod auseinandersetzen.
Es bleibt nicht aus, dass sich die Altersgruppe ab 50 darüber Gedanken machen muss, wie sie es mit dem Wohnen, dem Lieben, dem Sorgen und Versorgt werden in Zukunft halten will. Ist es möglich, vorzusorgen und wie könnte das aussehen?. Ein guter Anfang ist schon gemacht, wenn sich er oder sie oder beide zusammen ein Hobby zulegen, das auch im Alter noch ausgeübt werden kann. Wenn sowieso eine Renovierung ansteht, ist zu erwägen, die Wohnung schon jetzt mit allen Bequemlichkeiten auszustatten, die auch im höheren Alter nützlich sind. Die ganz beherzten wagen sich vielleicht sogar an ein Ehrenamt, das Ihnen Freude macht, der Gesellschaft nützt und nach der Berufstätigkeit zu einer jung erhaltenden Aufgabe wird.
Mit all diesen Themen beschäftigt sich das neue Jahresheft TENGO, das ab März mit dem sehr ansprechenden Bild eines grauhaarigen, älteren, nachdenklich in die Ferne blickenden Herrn dem vorbei flanierenden Fußgänger bundesweit an den Kiosken entgegensieht. Es ist ein sehr jugendlich wirkender und doch unübersehbar nicht mehr junger Mensch, der das Cover von TENGO schmückt und zum Kauf des Magazins und zum Lesen einlädt.
Der Paritätische Wohlfahrtsverband hat in Zusammenarbeit mit vielen bekannten und auch etwas weniger bekannten Autoren eine Zeitschrift ins Leben gerufen, die sich mit den Themen der reiferen Generation befasst, ohne selbst „altväterlich“ zu sein.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich erfreulicherweise die Zeit genommen, ein Vorwort zu schreiben.
Der Verlag hat den Inhalt des 160 Seiten starken Heftes wie folgt zusammengefasst:
Leben gestalten! Nicht die Zahl der Lebensjahre zählt, sondern das Leben an sich.
Schnurzegal, wie alt man ist. Ob mit 48, 56 oder 73 – es kommt darauf an, sich die Freiheit der Entscheidung zu erhalten und so zu handeln, wie es für einen selbst gut und richtig ist.
Dafür gilt es, Möglichkeiten zu entdecken. In jeder Lebenslage.
Das sind schlagwortartig die Inhalte des Heftes:
„KNITTERFREI
LIEBE – absolut!
ZEIT – immer öfter
ORTE – vom Fleck weg
SPIELRÄUME – vor der Nase
STANDPUNKTE – freie Wahl
LIEBE – absolut!
„Für die Liebe gibt es nur einen Beweis: die Tiefe der Beziehung“, schrieb Erich Fromm. Doch ein Mensch geht in seinem Leben vielerlei Liebesbeziehungen ein. Zuallererst die zu sich selbst – auch wenn sie vielleicht am schwersten auszubalancieren ist. Auch die Liebe zur Familie bleibt oft bis ins hohe Alter präsent. Aber was wäre ein Leben ohne die Liebe zu einem Mann, einer Frau? In ihr suchen viele Erfüllung. Ein anderes Gesicht zeigt die Liebe, wenn sie sich verdinglicht, wenn sie sich auf eine Sache richtet. Nur darf man dann noch von Liebe reden?
ZEIT – immer öfter Wer die Gegenwart erobern will, spannt sein Leben stets zwischen der Vergangenheit und Zukunft aus. Man wird sich sein Wissen und seine Erfahrungen vergegenwärtigen, diese aber nicht als statisch, sondern als fortschreitenden Prozess in einer sich verändernden Gesellschaft begreifen. Auf diesem Weg gelangt der Mensch an Fragen, die sich ihm zur rechten Zeit oder zur Unzeit stellen, denn nicht immer kann er sich dies aussuchen. Aber die Antworten darauf zu finden – bleibt ihm stets selbst überlassen.
ORTE – vom Fleck weg
Natürlich: die eigenen vier Wände bilden das örtliche Zentrum im Alltag. Hier hat der Mensch seinen Ruhepol, von dem aus er sich von Fall zu Fall nach draußen begibt. So bewegt er sein Leben ständig zwischen „drinnen“ und „draußen“ – wobei sich sein Innenraum durch die virtuelle Welt im Fernsehen oder Internet nach außen erweitert und umgekehrt immer ein Stück der reale Außenwelt durch Reisen und neue Erfahrungen Einzug hält ins heimische Wohnzimmer.
Spielräume – vor der Nase
Niemand kann auf sein rein nummerisches Alter reduziert werden, denn dafür sind die Lebenslagen von Menschen zu verschieden. Ob jemand gesund, belastet, arm, reich, einsam, fröhlich, interessiert, abhängig, schlecht gelaunt oder gut drauf ist, hängt nämlich keineswegs vom Alter ab. Entsprechend unterschiedlich gestaltet sich überall der Alltag. Oder besser gesagt: gestaltet der Mensch seinen Alltag. Denn genau darum geht’s. Wer seine Handlungsoptionen erkennt, gewinnt die Freiheit der Entscheidung.
STANDPUNKTE – freie Wahl
Jeder kennt die berühmte Geschichte mit dem halbleeren oder halbvollen Glas Wasser. Je nachdem, welche Lebenseinstellung ein Mensch pflegt, wie aufgeschlossen er ist und wie viel Verantwortung er für sich übernimmt, empfindet er eine Situation als Bereicherung oder Belastung. Diese Erkenntnis macht übrigens auch vor gesellschaftlichen Sichtweisen nicht halt. Denn auch die berühmte „zweite Lebenshälfte“ kann man so oder so sehen.“
Soweit die Ankündigung durch den Verlag.
Ich finde das Heft sehr informativ, unterhaltsam, die Themen breit gefächert und lebensnah. Das Layout ist flott und zeitgemäß, der Druck ist gut lesbar und die Fotos sind sehr ansprechend und aussagekräftig. Der Preis von 4,90 Euro scheint mir angemessen zu sein.