Um es gleich vorweg zu nehmen: Lenz ist eine außerordentlich vielseitige, gut gemachte Zeitschrift für Menschen ab etwa Mitte Vierzig und älter.- Dass sie LENZ heißt, empfinde ich eher als Ärgernis, selbst wenn man an den „zweiten Frühling“ oder „sich einen schönen Lenz machen“ denkt. Im Volksmund werden beide Möglichkeiten ironisch gebraucht und das halte ich nicht gerade für nützlich für eine ernst zu nehmende Zeitschrift.
Da ich früher „Weltbild“ abonniert hatte, bin ich also nun „Lenz-Leserin“, denn diese beiden Magazine haben sich zusammengeschlossen oder die eine hat die andere übernommen. Der Qualität hat dies keinen Abbruch getan.
In der Zeitschrift L e n z werden viele relevante Themen der Zeit in gut recherchierten Beiträgen abgehandelt; Themen, die für Jung und Alt interessant sind.
Vor allem aber ist der Inhalt von Lenz auf die Bedürfnisse von Menschen zugeschnitten, die das Berufsleben schon oder bald hinter sich haben. So stehen Berichte über einen Neustart jenseits der 40 oder 50, über die Gestaltung des Ruhestandes sowie über Leben und Wohnen im Alter im Vordergrund. Ratschläge in Bezug auf die Rente, Steuern, Versicherungen, Geldanlagen werden von Experten kompetent und ausführlich gegeben und verständlich dargestellt. Gesundheits- und Schönheitstipps für reifere Jahrgänge haben ebenfalls ihren Platz in dieser Zeitschrift und natürlich auch das eine oder andere Kochrezept. Beiträge zu Kunst und Literatur in ansprechendem Layout sind zu finden, auch die eine oder andere Buchbesprechung.–
Wer Lenz liest, weiß, dass die Älteren eine wichtige und große Verbrauchergruppe sind. Die Anzeigen und Modereportagen tragen dieser Tatsache Rechnung. Alle Models sind zwar reifere Jahrgänge, aber selbstverständlich so gut ins Licht gesetzt, dass sie innerhalb ihrer Altersgruppe eine „Augenweide“ sind. Tragbare und dennoch flotte Mode für die reiferen Menschen wird ansprechend präsentiert.
Viel Raum ist in dieser Zeitschrift für alles, was mit dem Umgang der Generationen untereinander zu tun hat. Anrührende Geschichten über das Leben mit erwachsenen Kindern und Enkeln findet man – aber auch über weniger geglückte Großeltern/Enkel-Beziehungen.
Viel wird in Wort und Bild berichtet über Omas und Opas, die fitt sind wie ein Turnschuh und Berge besteigen und durch Wüsten wandern. Relativ wenig oder eher gar nichts über die andere Realität, die weniger erfreulich in Alters- und Pflegeheimen gelebt wird. Aber eine Zeitschrift, die sich L e n z nennt, möchte ja sicher nicht ihr lebensbejahendes Publikum mit den Schattenseiten des Lebens jenseits der Fünfzig vergrämen.- Ehrlicher wäre es ja, denn es ist ja nur die andere Seite der Medaille – und die kann man doch getrost einmal anschauen.
Stattdessen gibt es niveauvolle Bekanntschafts- und Heiratsanzeigen die Fülle.- Und auch schon Erfolgsmeldungen von später Zweisamkeit. Frühlingsgefühle schlummern bekanntermaßen auch in etwas bejahrteren Herzen – und es ist schön, dass Lenz diesen munteren Oldies Gelegenheit gibt, sich auf die eine oder andere Art kennenzulernen. Viele begeisterte Leserbriefe geben davon Zeugnis.
Alles in allem ist „Lenz“ eine vielseitige und lesenswerte Zeitschrift für Menschen, die sich schon oder bald zur „reiferen Generation“ zählen.