Gerade habe ich den letzten Rest der stinkenden Beinwell-Jauche an meine Tomatenpflanzen im Garten gegossen, habe mich gefreut, dass die Blätter der Tomaten seit einigen Tagen dank dieser Behandlung so schön grün geworden sind und sich schon einige schöne Fruchtansätze in Kirschgröße (je nach Sorte auch größer) zeigen. da lese ich in der Tageszeitung, dass ein Film über Hildegard von Bingen gedreht wird, der 2009 in die Kinos kommt. Das ist nun wirklich ein Grund zur Freude, denn nicht nur die Verwendung von Beinwell (latein. Symphytum, engl. Comfrey) als Pflanzenjauche, Umschlag, Salbe, Tinktur oder Tee bei stumpfen Verletzungen aller Art sowie bei Durchblutungsstörungen geht auf Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) zurück, sondern eine Unzahl von anderen medizinischen Anwendungen von Kräutern. Ich verwende z.B. seit Jahren Galgant-Pulver, Bertram, Diptam, Ysop und Ingwer fast täglich in der Küche. Der von Hildegard von Bingen so hoch geschätzte Dinkel als Brot, Teigwaren oder Müsliflocken sind aus meinem Alltag schon lange nicht mehr wegzudenken.
Nachdem es nun schon so viele Filme über (in meinen Augen oft zweifelhafte oder verzweifelte) s t a r k e Frauen gibt, freut es mich um so mehr, dass sich endlich Margarete von Trotta als Regisseurin und Markus Zimmer als Produzent der Lebensgeschichte einer wirklich starken Frau annehmen und ihr zu dem Bekanntheitsgrad verhelfen werden, der ihrem vielseitigen Wirken entspricht. Die Klosterfrau Hildegard war eine Mystikerin des Mittelalters, die sich im Rahmen ihres Daseins als Ordensfrau für alle Belange der Menschen um sie herum interessierte. Mit einer seherischen Gabe ausgestattet, schrieb sie eine Reihe von Werken, in der sie sich über die Art und Weise äußerte, wie der Mensch leben soll.
Sie gibt medizinische, religiöse, pädagogische, soziologische Anregungen und macht sich im wahrsten Sinne des Wortes Gedanken „über Gott und die Welt“. Auch politische Fragen ihrer Zeit ließen sie nicht kalt, so dass sie es wagte, sich einzumischen in das Tun und Lassen von weltlichen und geistlichen Würdenträgern und Amtspersonen ihrer Zeit. Das brachte ihr selbstverständlich viel Ärger ein, schwächte zeitweise ihre Nerven und bescherte ihr körperliche Leiden, machte sie aber letzten Endes stärker als zuvor.
Diese Klosterfrau, die als Novizin auf dem Disibodenberg und zuletzt als Äbtissin im Kloster Rupertsberg lebte, hat weit über Ihre Umgebung und ihre Zeit hinaus gewirkt. Dies nicht zuletzt auch durch ihre Kompositionen (im gregorianischen Stil), die es sogar heutzutage auf CDs gibt. Literatur über Hildegard von Bingen gibt es reichlich. Allein die Werke, die sie selbst geschrieben hat bzw. diktiert hat, sind eine Quelle des Wissens, des Staunens, der Freude über diese Welt, in der sie lebte und in der wir leben.
Ich weise noch hin auf meinen vor längerer Zeit ins Netz gestellten Text „Kohl und Beinwell machen der Äbtissin Beine“. Heute stelle ich noch ein kleines Märchen für Jung und Alt aus der Zeit und der Welt um den Disibodenberg herum in meinen Blog. Es geht um ein kleines Mädchen, das die Welt anders wahrnimmt als die Erwachsenen, besonders nachts, wenn es nicht schlafen kann. Es muss erfahren, dass nicht alles was glänzt eine Krone ist.
Nora Zorn ©