Aloe vera barbadensis Miller wird auch “Der Doktor auf dem Fensterbrett” genannt, denn man hatte sie früher als Erste-Hilfe-Pflanze gerne auf dem Fensterbrett, damit man sie immer zur Hand hat.
Die vielseitige Aloe ist zur Zeit in, wie man in Zeitungsartikeln und Inseraten von Aloe-Anbietern feststellen kann. Vermutlich ist sie durch die Sendung von Pfarrer Fliege wieder in Erinnerung gebracht worden, obwohl sie vielen naturheilkundlich interessierten Menschen als Hausmittel schon seit langem bekannt ist.
Als Topfpflanze ist sie bei den Amerikanern und in Mexiko in fast jedem Haushalt zu finden und gilt dort als „first aid plant“ (Erste-Hilfe-Pflanze) und als „burn plant“ (Pflanze gegen Verbrennungen). Schon die Babylonier, Ägypter, Griechen und auch Hildegard von Bingen beschäftigten sich mit dem Heilwert der Aloe.
Botanik:
Die Aloe gehört zu den Liliengewächsen (Liliaceae), obwohl sie eher wie ein Kaktus aussieht. Weltweit sind etwa 500 bis 700 Aloe-Sorten bekannt.
Die Aloepflanze hat stark-fleischige, lanzenförmige Blätter mit scharfgezackten Rändern. Im Inneren der Blätter befindet sich ein Saft, der die Konsistenz von Gelee hat. Dieses „Gelee“ ist das Heilmittel, das die Aloe so bekannt gemacht hat. Ihre Eigenschaft, Wasser zu speichern und sehr lange Zeiten von Trockenheit unbeschadet zu überstehen, ist ein wichtiges Charakteristikum dieser Pflanze und ist einer der Gründe für ihre Heilkraft.
Sie kommt vor in Wüstengebieten von Afrika, Südamerika, im Mittelmeerraum, Indien, Arabien und Südamerika. Und als Topfpflanze an sonnigen Stellen oder Südfenstern auch bei uns.
Heilwirkung:
Der als Heilmittel benutzte Aloe-Saft enthält die Wirkstoffe Aloin, Aloe-Emodin, Socaloin, Capaloin, Harze, Glukose, Galactose, Xylose, Tannine, Stereoide, Glutaminsäure, Apfel-, Bernstein- und Zitronensäure, antibiotische Substanzen, viele versch. Enzyme, Aminosäuren und Spurenelemente.
Der Saft wird im Handel (Apotheke, Reformhaus) als innerlich anzuwendendes Mittel bei Verdauungsstörungen angeboten, wirkt entzündungshemmend und leicht abführend. Auch homöopathische Tropfen und Globuli sind erhältlich.
Ihren Siegeszug in der westlichen Welt hat die Aloe aber hauptsächlich als Bestandteil von Hautpflegemitteln angetreten. In unzähligen Cremes, Gesichtswässern, Shampoos, Seifen, Badezusätzen ist sie als feuchtigkeitsspendende Zutat und als entzündungshemmender Faktor beigefügt. Auch in Tees, Kräuterschnäpsen und Likören findet man Aloe-Saft, z.B. in Fernet Branca.
Ich selbst verwende die Aloe bei Brandwunden im Haushalt, bei Insektenstichen, Sonnenbrand und gegen meine Sonnenallergie als Frischsaft direkt aus einem Stückchen Aloe-Blatt, das ich mit einem scharfen Messer von meiner Aloe-Pflanze auf dem Fensterbrett abschneide. Und natürlich mache ich es wie die Indianer und entschuldige mich bei der Pflanze dafür, dass ich sie so malträtiere. Man kann ein Blatt auch aufschneiden (die Schnittstelle schließt sich an der Pflanze sehr schnell wieder) und die beiden Blattinnenseiten direkt als Auflage auf verletzte Haut legen und mit einer Mullbinde befestigen. Diese Auflage wirkt nach meiner Erfahrung kühlend, entzündungshemmend und beruhigend auf die Haut und auf jeden Fall heilend.
Im Buchhandel sind viele Bücher über die Heilkraft der Aloe erhältlich, u.a. gibt es ein Buch von Stephanie Faber mit dem Titel „Aloe vera, Schönheit aus der Natur“ (Heyne-Taschenbuch) mit vielen Rezepten für die Schönheitspflege und mit einer ausführlichen Beschreibung über die Aloe als Heilpflanze.
Eine Aloe-Pflanze im Garten oder auf dem Fensterbrett, zusammen mit einem informativen Büchlein über die Anwendung der Pflanze – und schon hat jeder seine Erste-Hilfe-Ausstattung im Hause.
Ich kann diese Pflanze oder die käuflichen Auszüge daraus sehr empfehlen.
Nora Zorn, 2008 ©