Alle Jahre wieder werde ich gefragt, ob ich schon Weihnachtsplätzchen gebacken habe. Beschämt muss ich gestehen, dass ich Plätzchen nicht gerne esse und es für mich persönlich als Zeitverschwendung ansehe, sie zu backen. Natürlich habe ich gebacken, als mein Sohn klein war und ich eine gute Weihnachts-Mutter sein wollte.
Die gesparte Zeit verwende und verschwende ich gerne zum Lesen. Ein altes Büchlein fiel mir in die Hände. Es enhält eine Sammlung von Weihnachtsversen und Gedanken zur Weihnachtszeit von Klassikern wie Theodor Storm, Friedrich Hebbel, Joseph von Eichendorff, Angelus Silesius, Clemens Brentano u.a., die kindliche und fromme, aber auch nachdenklich kritische Texte schrieben zum Sinn des Christfestes, der heute so manchem Weihnachtsmarkt-Besucher nicht mehr so recht im Gedächtnis ist.
Befragungen von Kindern ergaben (so las ich in den Medien), dass viele Kinder keinen Zugang zu den christlichen Wurzeln des Festes haben, dass sie es für ein Fest der Geschenke und des Überflusses halten, in dem der Weihnachtsbaum eine große Rolle spielt.
Verständlich es ist es ja, dass die Menschen eine Sehnsucht nach Licht und Glanz haben in der düsteren Jahreszeit. Da ist die Sitte des Baumschmückens, der Kerzen und der goldenen Girlanden an Kaufhausfassaden, über Straßenschluchten und an den Fenstern der Wohnhäuser ja schon fast therapeutisch zu nennen. Wenn diese Lichter die Herzen der Menschen auch heute noch erhellen, dann ist das gut so. Da passt nun auch das Gedicht von Gustav Falke dazu. Der Dichter macht sich Gedanken darüber, wie das die Weihnachtsbäume selber sehen, was ihnen da geschieht in der Weihnachtszeit:
Bis die Lichter brennen
Nun kommen die vielen Weihnachtsbäume
Aus dem Wald in die Stadt herein.
Träumen sie ihre Waldesträume
Weiter beim Laternenschein?
Könnten sie sprechen! Die holden Geschichten
Von der Waldfrau, die Märchen webt,
Was wir uns alle erst erdichten,
Sie haben das alles wirklich erlebt.
Da stehn sie nun and den Straßen und schauen,
Wunderlich und fremd darein.
Als ob sie der Zukunft nicht recht trauen;
Es muss doch was im Werke sein.
Aber, wenn sie dann in den Stuben
Im Schmuck der hellen Kerzen stehn
Und den kleinen Mädchen und Buben
in die glänzenden Augen sehn,
Dann ist ihnen auf einmal, als hätte
Ihnen das alles schon einmal geträumt,
Als sie noch im Wurzelbette
Den stillen Waldweg eingesäumt.
Dann stehen sie da, so still und selig,
Als wäre ihr heimlichstes Wünschen erfüllt,
als hätte sich ihnen doch allmählich
Ihres Lebens Sinn enthüllt.
Als wären sie für Konfekt und Lichter
Vorherbestimmt, und es müsste so sein,
Und ihre spitzen Nadelgesichter
Sehen ganzverklärt darein.
Gustav Falke, geb. 1853 in Lübeck
Konfekt wurde früher anstatt der heute üblichen Weihnachtskugeln an die Zweige gehängt. Dazu noch kleine Äpfel, auch Walnüsse und in neuerer Zeit auch Strohsterne.
Von Weihnachtsplätzchen, die schon reichlich im Advent gegessen werden, ist in dem Gedicht nicht die Rede