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Archiv für die Kategorie ‘Eigene Texte (Kurzgeschichten, Essays)’

 
Schlaftrunken schlurfte Julius so leise wie möglich in die Küche zum einzigen  Wasserhahn in der Zwei-Zimmer-Wohnung. Er wollte die beiden Geschwister, die  dort auf dem Sofa schliefen, nicht wecken und vor allem nicht den „Zimmerherrn“  im Nebenraum. Ein paar Schlückchen Wasser, eine Handvoll Nass ins Gesicht, rein  in die Hosen und die Schnürstiefel gebunden – [...]

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Timos Schächtelchen oder die etwas andere Weihnachtsgeschichte:
 
 
Er kommt nur am 24. Dezember, weil er vorher noch Prüfungen hat und gleich nach Heiligabend für ein paar Tage mit Kommilitonen in die Berge fahren will.- „Ach so, sagte ich, dann lohnt es sich ja kaum, einen Tannenbaum zu kaufen. Nur für uns zwei Alte, nur für Papa [...]

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Frau Schmitt ist krank. Das ist ihr peinlich. Ihr Image als flotte Mittfünfzigerin leidet darunter, besonders im Büro. Unter keinen Umständen möchte sie, dass die jüngeren Kollegen sie für nicht mehr belastbar halten. Sie tut ja auch alles, um gesund zu bleiben, macht Yoga, ernährt sich vollwertig, geht zum Fitness-Studio, achtet auf ihr Gewicht. Um [...]

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Der Kies knirscht mit splitterndem Geräusch unter meinen Schuhen. Es ist so dunkel, dass ich meine Füße nur ins Ungefähre, Ungewisse setzen kann. Immer wieder stolpere ich über ein kleinere oder größere Hindernisse. Es ist so still um mich, dass ich meinen eigenen Atem höre. Unwillkürlich bleibe ich stehen, um den Lärm meiner Schritte für [...]

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Die Frau im langen schwarzen Rock, der in unzählige Falten gelegt war, kämmte sich vor dem Spiegel das Haar. Zuletzt überprüfte sie nochmals die braunen Schildpattnadeln, mit denen sie den Haarknoten im Nacken befestigt hatte. Das war im Sommer 1944 im deutschsprachigen Teil Kroatiens, direkt an der ungarischen Grenze.
„So, sagte sie zu der vierjährigen Enkelin, jetzt darfst du [...]

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Eine kleine Lyrik, entstanden vor den dunklen Tannen des Schwarzwaldes in einer Augustnacht
 
 
 
Ein glitzernder Vogelschwarm
löst sich vom nachtblauen All,
verrieselt golden hinter 
schwarzdüsterm Wald.   
 
Sendboten aus unendlichem Raum
unwägbarer Zeit
erleuchten die Spätsommernacht.
Wer hat sie als Gruß uns gedacht? 
 
 
Wie die Dukaten in Goldmaries Schürze
so nehme den Goldstaub ich auf
mit dankbarem Auge und Sinn -
frag nicht nach Woher und Wohin.
 
Nora [...]

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Eine Geschichte, die mir beim Gang über den Mannheimer Hauptfriedhof eingefallen ist. Dort befinden sich beide Gräber, das Grab des Täters und des Opfers.

August von Kotzebue, der zeitweilige russische Theaterdirektor, Staatsminister und preussische Generalkonsul in Königsberg und gefeierte  vielgespielte Bühnendichter hat genug für heute und verlässt die Probebühne des Mannheimer Nationaltheaters. 
Zur gleichen Zeit sitzt ein [...]

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Drei Haikus zum Thema „Warten“:
von Nora Zorn ©
 
 
Gewitterschwüle
Mensch und Tier halten inne
endlich fällt Regen
            ******

                                     Rund und reif das Korn
                              [...]

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Sie legt noch die Löffel neben die sechs Gedecke auf dem runden Gartentisch und geht einen Schritt zurück, um das Gesamtbild zu betrachten. Wie schön, nochmal  an einem Spätsommerabend draußen sitzen zu können, gerade jetzt, wo sie Ingrid, eine Freundin aus der Schweiz, wiedersehen sollte. 25 Jahre hatte sie nichts mehr von ihr gehört, nachdem [...]

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Vor langer Zeit, als es noch kein elektrisches Licht, keine Autos, kein Fernsehen und natürlich auch keine Computer gab, da lebte ein kleines Mädchen mit seinen Eltern und fünf Geschwistern in einem Häuschen am Ufer der  Nahe, dort, wo der kleine Fluss in den Rhein mündet. Der Vater war Fährmann und Fischer. Mutter hielt das [...]

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