Im Impfzentrum

Bis zum 23. Januar 2021 hatte ich keine Ahnung, wie viele Menschen von 80 Jahren oder mehr es in unserer Stadt gibt. Seit ich zu meiner Überraschung, sehr plötzlich von einem Tag auf den anderen (nach langen Fehlversuchen im Web und Warteschlangen im Telefonnetz) endlich einen Impftermin bekommen hatte, weiß ich, dass ich in guter Gesellschaft bin. Seit ich so viele mehr oder weniger bewegungseingeschränkte, aber auch sehr flotte alte Menschen unter sich auf dem Gelände des Impfzentrums getroffen habe, verstehe ich die Lockdown-Maßnahmen noch besser als zuvor. Es wäre nicht gut, wenn diese Menschen durch eigenes Fehlverhalten oder den Leichtsinn von jüngeren Menschen in ihrem Umfeld sich mit Covid-19 angesteckt hätten. Allein die Anzahl hätte die Stadt vor ein großes Problem gestellt. Obwohl die Stadt sich gut vorbereitet hatte, wäre das Gesundheitssystem sehr bald an seine Grenzen gestoßen.

Dass die Stadt gut vorbereitet ist, konnte ich ja nun feststellen, da ich nach aufregenden Tagen des Informierens, Telefonierens oder des Einwählens in das Internet von heute auf morgen einen Termin bekam. Es war nun Eile angesagt, denn allerlei Dokumente waren zu richten (Personalausweis, Impfpass, Allergiepass), eine Fahrmöglichkeit war zu organisieren, bequeme Kleidung bereit zu legen, das Handy aufzuladen, Freunde und Bekannte telefonisch zu kontaktieren. Leider war ich die Einzige aus meinem Bekanntenkreis, die an diesem Tag einen Impftermin hatte, so dass sich die Möglichkeit nicht ergab, zusammen mit anderen Betroffenen zum Zentrum am Rande der Stadt zu fahren. Eine sehr viel jüngere Freundin, die wegen der Corona-Pandemie momentan in Kurzarbeit ist, hatte Zeit und erbot sich, mich zu begleiten.

Das hat sich als eine sehr große Erleichterung für mich erwiesen als wir uns auf den Weg machten zum Impfzentrum in Mannheim. Das Gelände, auf dem die geräumige Halle steht, in der innerhalb sehr kurzer Zeit Anfang des Jahres ein großes Impfzentrum errichtet wurde, hat auch einen sehr großen Parkplatz und ist deshalb ideal für diesen Zweck. Es war also für die meisten kein Problem, das Zentrum mit dem Auto oder auch mit dem Nahverkehr zu erreichen, denn auch eine Haltestelle der Stadtbahn befindet sich direkt vor dem Eingang. Ich bin voll Bewunderung für das gelungene Zusammenspiel von Stadt, Land, Technischem Hilfswerk, Gesundheitsamt, Rotem Kreuz, medizinischem Personal, Feuerwehr, Polizei und anderen Hilfskräften, die das Zentrum räumlich, medizinisch und verwaltungstechnisch auf die Beine stellten, so dass es nun sehr gut und reibungslos funktioniert.

Es war nicht möglich, einen ersten Termin zu bekommen, wenn man beim Ausfüllen des Formulars im Internet nicht bereit war, gleich den zweiten Termin festzulegen. Inzwischen scheint es ich geändert zu haben, so hörte ich heute von einer Nachbarin, die gestern endlich telefonisch einen ersten Impftermin für Mitte Februar bekam. Sie war seit vielen Tagen bis Mitternacht aufgeblieben, um unter der Nummer 116117 anzurufen. Sie hatte gehört, dass dann die vom vergangenen Tage übrig gebliebenen Impfdosen auf Termine des nächsten Tages verteilt wurden. Das half ihr nicht um Mitternacht, aber sie hatte Glück, als sie morgens um 8 Uhr erneut telefonierte. 

 Im Impfzentrum wurden wir durch lange, mit Absperrbändern begrenzte Laufstraßen in verschiedene Abteilungen geschleust, wo es allerlei Dokumente zu lesen, zu unterschreiben und die Kopien irgendwie unterzubringen hieß. Meine Begleitung hatte sehr bald alle Hände voll mit Papierkram, der aber wohndurchdacht und sinnvoll war, wie sich herausstellte. Nach einer geduldigen Beratung durch einen Arzt über die Risiken und Nebenwirkungen der Impfung, landeten wir in einem Raum, in dem ein Film über das Corona-Virus und die Pandemie lief. Der Raum war gut durchlüftet, alle Stühle mit ausreichendem Abstand aufgestellt, alle Hygieneregeln waren eingehalten. Der Film verschaffte uns eine kleine Atempause bevor es weiter ging zu Wartezonen vor den eigentlichen Impfkabinen. Alles sehr gut organisiert und übersichtlich beschriftet. Die Impfung selbst war dann kurz und schmerzlos. Nach dem Eintrag in das Impfbuch

war eine Viertelstunde Ruhe in einer ebenfalls sehr auf Abstand bedachten Zone vorgesehen, für den Fall, dass irgendwelche Unpässlichkeiten eintreten sollten. Da ich Allergikerin bin, wurde mir eine halbe Stunde Wartezeit verordnet. Danach ging es mit dem Laufzettel zum Ausgang, wo sich ein freundlicher Helfer nochmals nach dem Befinden erkundigte, bevor wir von einem weiteren Helfer hinausgeleitet wurden.

Zu Hause hatte ich am Impftag dann doch noch leichte Kopfschmerzen und Gliederschmerzen, wie etwa bei einer beginnenden Erkältung. Auch eine große Müdigkeit stellte ich fest, was aber nicht verwunderlich war nach einem so aufregenden Tag, denn wer hat denn schon irgendwann in seinem Leben eine Corona-Impfung bekommen. Alles ist ja neu, vieles noch in Erprobung, jeden Tag gibt es neue Erkenntnisse und Veränderungen. Das müssen die jungen Menschen wie auch Achtzigjährigen und Älteren ja auch erst einmal in ihren Erfahrungshorizont integrieren und sich eine Flexibilität im Denken und Handeln aneignen, die vorher in dieser Form nicht nötig war.

Es gibt ja immer noch keine sicheren Erkenntnisse darüber gibt, wie lange die Wirkung der Impfungen anhält, ob man als Geimpfter das Virus trotzdem an andere weitergeben kann, ob man z.B. im nächsten Winter wieder geimpft werden muss, so wie dies bei der Grippe-Impfung der Fall ist. Ich denke aber, dass ich es meinen Mitmenschen schuldig bin, auch zu deren Schutz vor Ansteckung beizutragen. Es freut mich aber auch, dass ich mich nach der Impfung, doch mal wieder zu einem Kaffee mit meinen Freundinnen treffen kann, weil sie auch schon einen Impfschutz haben. Denn es ist kein reines Vergnügen, wenn man wegen seines hohen Alters durch die Pandemie zu einem Eremiten-Dasein gezwungen ist, das ja nun fast ein Jahr andauert.. Ich selbst habe auch vor der Corona-Pandemie eher zurückgezogen gelebt und war mit Hilfe meiner guten Wohnumgebung und eines geräumigen Balkons gar nicht besonders von dem verordneten Rückzug betroffen. Manche Menschen, die sehr viel mehr Außenkontakte hatten und brauchten, ertragen eine solche unfreiwillige Abgeschiedenheit sehr viel schlechter. Trotzdem vermisse auch ich allmählich den persönlichen Umgang mit Menschen meiner Altersgruppe oder einen Einkaufsbummel mit jüngeren Begleitern. Es ist gut,  Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

 Bis jetzt hatte ich gar nicht die Absicht, mich zu der Pandemie und dem Virus in meinem Blog äußern, da anfangs und bis heute so vieles ungewiss und in steter Veränderung war und ist. Über mein sehr positives Erlebnis im Impfzentrum meiner Stadt zu schreiben, ist mir aber inzwischen ein Bedürfnis geworden, denn der Bericht könnte anderen Mut machen. Nicht zuletzt ist es auch eine Gelegenheit, allen Helfern in den Impfzentren der Städte und Gemeinden  zu danken für ihren Einsatz und ihre Geduld bei der Impfung der über Achtzigjährigen.

E.Z. ©2021, Foto: Privat

Weihnachtliche Tagträume im Haus Abendschein

Weihnachtliche Tagträume im Haus Abendschein

Das kleine Weihnachtsbäumchen mit den Kunstfaser-Tannennadeln und den elektrischen Kerzen war ganz entzückend geschmückt mit roten Schleifchen, roten Mini-Glaskugeln und goldenen Sternchen.

Es stand in einem roten Übertopf, in dem die elektrischen Kabelanschlüsse verborgen waren. In der Dämmerung gingen die kleinen Lichter von selbst an, denn auch an einen Dämmerungsschalter hatten die Hersteller gedacht.

Gedankenverloren saß die alte Dame in ihrem Sessel am Fenster, von dem aus sie einen Blick auf den Fluss hatte. Jogger rannten trotz der Kälte am Morgen und am Abend am Ufer entlang. Nachmittags kamen die jungen Mütter mit ihren wohlvermummten Babies im Kinderwagen.

Wie schön, dass man heutzutage für alle Wetterlagen das richtige Schuhwerk und die richtige Bekleidung hatte. Ein Frösteln überzog den Körper der alten Frau, denn es schlichen sich Erinnerungen in Ihr Gedächtnis und Gemüt, die mit Zeiten zu tun hatten, in denen Frieren und Hungern der Normalzustand waren. Nur nicht mehr daran denken, befahl sie sich, das ist alles vorbei. 

Ich habe es ja so schön hier. Sie gestand sich ein, dass sie es noch nie so gemütlich und bequem hatte, ja dass sie noch nie so gut versorgt war wie hier. Alle meinten es gut mit ihr, sorgten vor allem für ihr leibliches Wohl. Aber es war doch nicht so, wie es hätte sein können, wenn Ihr Mann noch lebte. Wenn sie beide beide gesund geblieben wären, hätten sie in ihrem schönen Einfamilienhaus in einem ruhigen, grünen Vorort der Stadt hätten bleiben können, möglichst bis an ihr Lebensende. In ihren Vorstellungen ging sie natürlich davon aus, dass sie beide bei guter Gesundheit trotz ihres Alters Weihnachten selbst gestaltet und miteinander gefeiert hätten. Dass es in der Realität möglicherweise anders hätte sein können, das konnte sie ja jetzt in ihrem gemütlichen Sessel tagträumend einfach ausklammern. Deshalb feierte sie in Gedanken eine Weile Weihnachten wie früher, mit perfekt  gebratener Weihnachtsgans im Ofen, einem raumhohen Weihnachtsbaum mit sehr vielen riesigen Glas und Goldkugeln, mit Lametta, Glasbläsereien aus dem Erzgebirge. Vor allem hatte sie die Glas-Vögelchen, aus deren Schwanz ein kleiner weißer Busch Schwanenfedern ragte, so geliebt. Unmengen von selbst gebackenem Weihnachtsgebäck in schönen Kristallschalen standen damals auf dem Tisch und unter dem Baum.. 

Dass sie selbst früher an Weihnachten am Ende ihrer Kräfte gewesen war, weil sie allein all diesen Zauber veranstaltet, sich mit der riesigen, toten, glitschigen Weihnachtsgans abgemüht und wochenlang all die guten Naschereien gebacken hatte, das klammerte sie nun einfach aus.

Ihr alt gewordenes Gedächtnis unterstützte sie in der Absicht, ungute Ereignisse einfach zu unterschlagen. Deshalb konnte sie (wie die anderen Mitbewohner des Pflegeheimes) guten Gewissens behaupten, dass früher alles viel schöner und besser gewesen war.

Inzwischen war es so dunkel geworden, dass das schlaue kleine Kunstbäumchen automatisch seine Kerzen im kleinen, wohnlich eingerichteten Zimmer leuchten und die Kugeln glitzern ließ. Es wirkte sanft und ein wenig erheiternd auf die Stimmung der alten Dame und die Erinnerungen an früher verschwanden von einem Moment zum anderen. So ist das ja häufig bei Menschen mit beginnender Vergesslichkeit. Deshalb war sie hier, weil sie ein wenig Unterstützung und Fürsorge brauchte und man ein Auge auf sie haben musste. Innerhalb ihres Zimmers war sie sicher auf den Beinen, konnte vieles noch selbst machen. Trotzdem gab es Tage, an denen alles anders und fremd war und sie Hilfe brauchte und versorgt werden musste. 

Eine junge Helferin machte kurz das Licht an und stellte das Abendessen mit Schwung auf das kleine Tischen vor der Frau am Fenster. „Na Frau Brehm, sie träumen wohl wieder von früher“, sagte die nette junge Frau. „Jetzt müssen sie aber kurz aufwachen, sonst wird der Tee kalt und die Wurst auf dem Brot warm“, scherzte sie und rückte Frau Brehm den Sessel zurecht. Die Pflegerin wickelte das Besteck aus und reichte es der alten Frau. „Ich komme allein zurecht“, sagte Frau Brehm und begutachtete das Angebot auf dem Tablett. Sie wusste nicht so recht, ob ihr das schmecken würde, was sie da sah. Sie wusste auch nicht mehr, dass sie jederzeit einen Grießbrei oder Reisbrei haben könnte, wenn sie es verlangte. Deshalb sah sie etwas ratlos auf die ansprechend aussehende Auswahl vor ihren Augen.

„Dann lassen Sie es sich mal schmecken, Frau Brehm“, schallte es inzwischen aus der Richtung der Zimmertüre. So schnell konnte Frau Brehm gar nicht „danke“ sagen, wie die Helferin verschwunden war.

Das erleuchtete Bäumchen zog Frau Brehms Blicke erneut auf sich und auf einmal fing sie an, sich an einen Weihnachtstag in ihrem Leben zu erinnern, der mit einem sehr kleinen, gestohlenen Weihnachtsbaum zu tun hatte. Es war eine recht lustige Erinnerung, die sich leider so schnell wie sie gekommen war, wieder verflüchtigte.

Kurze Zeit später stand ein anderes, ein anstrengendes, aber doch auch schönes Weihnachtsfest vor ihrem inneren Auge. Es fing an mit einem riesigen Paket, das überraschend von den Cousinen ihres Mannes aus Bayern geschickt worden war, gleich im ersten Jahr ihrer Ehe, in dem sich ihre hausfraulichen Fähigkeiten erst zu entwickeln begannen. Das Geschenk war deshalb eine Überraschung, die eher einen Schrecken auslöste, als dass sie zur Weihnachtsfreude beitrug. Ein monstergleiches Ungeheuer von einem bereits gerupften, kalten, toten Truthahn war da sorgfältig eingepackt. Die Innereien in einem Behältnis daneben. Weder sie noch ihr Mann noch der Schwiegervater hatten je ein so großes Tier gesehen, geschweige denn ein solches selbst zubereitet.

Sie scheuchte nun die unangenehmen Gedanken weg, denn daran, nein daran wollte sie sich nicht mehr erinnern. Nicht an den Kampf mit dem Truthahn, den Backofen im schlecht funktionierenden Gasherd, die hinterher schmutzige, fettverschmierte Küche. Diese Anforderungen waren glücklicherweise Vergangenheit. Nun machten andere den Weihnachtsbraten für sie.

Dankbar und glücklich blickte Frau Brehm in diesem Moment zu dem zwar kitschigen, aber  heimelig leuchtenden Bäumchen auf dem Beistelltisch im Zimmer ihres jetzigen Lebens im Pflegeheim. Es sah so lieb, so traulich und weihnachtlich aus. Sie fiel vor Glück in einen kurzen Dämmerschlaf, aus dem sie eine halbe Stunde später die nette Pflegerin holte.

„Möchten Sie vielleicht doch lieber einen Grießbrei, Frau Brehm“, fragte sie mit einem herzlichen Lächeln und einem verständnisvollen Blick. 

Ja, Weihnachten im Pflegeheim, das ist eine besonders erinnerungsreiche Zeit. Man hatte hier viel Verständnis für die gedanklichen Abschweifungen der Bewohner, besonders an den Weihnachtstagen. Da konnte das warme Essen schon mal kalt oder die kalte Platte warm werden. 

© E.Z. 2020

Foto: Privat-Archiv

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft

Vor zehn Jahren besuchte mich eine Freundin aus Sachsen. Sie kam mit der Bahn und konnte deshalb keine Blumen mitbringen zur Begrüßung, sagte sie mit Bedauern. Daraufhin holte sie aus ihrem Koffer eine Plastiktüte mit zwei unscheinbaren Pflanzenstecklingen und überreichte sie mir stattdessen. Diese Stecklinge pflanzte ich sofort in meine Blumentrog auf dem Balkon und vergaß sie im Laufe der Zeit. Die Freundin hatte mir noch gesagt, dass man die Pflanze „Champignonkraut“ nennt, wegen des Duftes nach Waldboden und Champignons.

Im Laufe der Zeit wurde aus den beiden Stecklingen eine rankende, unermüdlich wachsende Pflanze, die immer um die Mittagszeit kleine, magentafarbene Blütensternchen öffnete, die sich je nach Stand der Sonne bald auch wieder schlossen. Daran erkannte ich, dass es sich um eine Mittagsblume handeln musste. Ich brachte diese offensichtlich mediterrane Pflanze auch durch den Winter, indem ich sie mit Tannenzweigen abdeckte.

In diesem Frühjahr, als über die Welt und auch mich die große „Betrübnis“ in Gestalt der Corona-Pandemie hereingebrochen war, erfuhr ich durch einen Handwerker, der auf dem Balkon eine elektrische Leitung legte, dass es sich um eine essbare Pflanze handele. Endlich machte ich mir die Mühe, im Internet zu recherchieren und fand zu meinem Erstaunen heraus, dass man in Italien und anderen südlichen Ländern dieses „Eiskraut“ schon immer gerne zu Fischgerichten, im Salat und als Spinat-Ersatz isst. Als ich dann eines der Blättchen versuchte, war ich überrascht von dem knackigen, salzig-säuerlichen Geschmackserlebnis. Es schmeckte mir sehr gut, da ich salzig-säuerlich lieber mag als süßliche Lebensmittel.

Nun suchte ich natürlich weiter im Internet und erfuhr durch Wikipedia sehr viel und sehr Erfreuliches über diese seit einem Jahrzehnt bei mir auf dem Balkon gedeihende Pflanze, die mir bisher eher durch ihre Unscheinbarkeit und die kleinen roten Blüten aufgefallen war.

Bei näherer Betrachtung fand ich die fleischigen herzförmigen Blättchen und die kleine Blüten-Rosette sehr schön, den Geschmack aller Pflanzenteile sehr ansprechend und ich esse nun schon seit März jeden Tag davon in irgendeiner Form.  Einige der Blätter mische ich entweder unter Blattsalat,  Tomatensalat oder ich esse sie auf Butterbrot oder als Beigabe zu Rührei.

Wie ich inzwischen weiß, kommt der salzige Geschmack von den vielen Mineralsalzen, die in der Pflanze enthalten sind. Vitamine sind auch vorhanden, was man schon an der intensiv grünen Farbe erkennen kann.

So erinnert mich das Eiskraut (botanisch:  mesembryanthemum crystallinum)

jeden Tag an dieses Freundschaftsgeschenk von dauerndem Wert. Die Freundin , die mir die Stecklinge brachte, hat selbst inzwischen gar keinen Garten mehr, da sie in ein Pflegeheim umziehen musste. Sie kann sicher sein, dass ich auch jetzt, nach zehn Jahren, noch täglich mit Dankbarkeit an sie denke, spätestens dann, wenn ich mir am Abend einige der knackigen Blättchen auf mein Butterbrot oder Käsebrot lege.

E.Z. © 2020

P.S.: Über das Eiskraut, was Daten und Fakten betrifft, werde ich in meinem Blog in der Rubrik „Rezepte“ in Kürze berichten.

Quitte im Schneewittchen-Modus

Obwohl ich nun schon seit fast zehn Jahren keinen Quittenbaum mehr habe, ist für mich im Oktober immer noch Quittenzeit, wenigstens in Gedanken. Ich erinnere mich an die körperlich anstrengende Zeit, in der ich die Birnen-Quitten aus unserem Garten verarbeiten musste, was für die Handgelenke und den Rücken nicht besonders gut war. Quitten sind sehr hart, sie müssen vor dem Kochen erst  mit einem Baumwolltuch von dem Flaum befreit werden, der auf der glatten, wie mit Wachs überzogenen Schale sitzt. Dann glänzt die Quitte wie poliert. Nun wird Sie entweder geschält, was auch nicht so leicht ist, denn die Schale ist fest mit dem Fruchtfleisch verbunden. Ich habe sie nicht geschält, sondern mit dem größten und schärfsten Messen unter Mühe nur halbiert und in Achtel geteilt, dann mit Wasser aufgegossen, bis die Masse im Topf bedeckt war und dann gekocht. Der Saft wurde dann abgegossen und zu Gelee verarbeitet, der Trester zu verschiedenen anderen Köstlichkeiten. Aber darüber wollte ich heute nicht schreiben, sondern darüber, wie sehr ich den Duft der Quitten liebe. Ich koche mir keine Marmelade oder Gelee mehr, da sich der Arbeitsaufwand für eine Person nicht lohnt und außerdem die Arthrose in meinen Handgelenken mir das übel nehmen würde. Vor einigen Jahren habe ich aber eine Methode entdeckt, wie ich mir den Duft der Quitte über Monate erhalten kann, wenigstens um daran zu schnuppern und mich an die reichliche Quittenernte von früher zu erinnern.

Ich habe mir eine sehr frische, handtellergroße Birnenquitte gekauft und diese in einen Glasbehälter mit lose aufliegendem Deckel gelegt, einfach deshalb, weil diese Behälter da war und gerade von der Größer her passte.

Nun konnte ich die Quitte von Oktober 1916 bis zum nächsten September 1917 beobachten, wie sie sich in dem fast luftdichten Gefäß entwickelte. Ich konnte es kaum glauben, dass sie nicht matschig wurde oder im Ganzen faulte oder viele faule Stellen bekam. Sie wurde nur von Monat zu Monat etwas kleiner, gegen Ende August dann etwas schrumpelig, aber verglichen mit einem Apfel nur wenig. Auf einer Seite entstand ein brauner Fleck, der aber im Innern nach dem Aufschneiden gar nicht so groß war, wie ich befürchtet hatte . Insgesamt gesehen war das Fruchtfleisch noch immer saftig uns essbar.

Immer, wenn ich den Deckel abnahm, duftete die Quitte zu meiner Überraschung fast ein Jahr lang ganz intensiv und unverändert . Das gefiel mir und ich werde mir in den nächsten Tagen wieder eine Quitte kaufen und sie wie Schneewittchen in ihrem Glassarg ruhen lassen, zu meiner Augenweide und um meinen Geruchssinn zu erfreuen.

Hier ein paar Fotos von dem Fortgang des Quitten-Experimentes (leider habe ich kein Foto von der frisch in den Glasbehälter gelegten Quitte im Oktober 1916):

Inneres d. Quitte nach 11 Monaten
Quitte im Glas nach 11 Monaten

Quitte nach 11 Monaten im Glas mit Deckel

Fotos: E.Z., Privat

Rachel Carson: Der stumme Frühling

Kirschblüten.002Der Klimawandel, der ja in allen Medien ein großes Thema geworden ist, istder Anlass, uns während des monatlichen Lesekreis-Treffens mit dem bereits 1962 in Amerika erschienenen Buch der Biologin Rachel Carson zu befassen.

Rachel Carson (1907-1964) war die erste Autorin, die sich schon früh mit dem Einfluss befasste, den chemische Pflanzenschutzmitteln auf Pflanzen, Tiere und Menschen haben. Ein Brief der Journalistin O.O. Huckins, in dem sie über die verheerenden Auswirkungen von Pestizid-Sprühflügen über einem Vogelschutzgebiet berichtete, gab den Anstoß für Rachel Carson, sich intensiv mit diesem Thema zu befassen und (nach einigen anderen Büchern) dieses Buch zu schreiben. Rachel Carson schrieb „Silent Spring“ als frühe Warnung für Landwirte und alle verantwortungsbewussten Mitmenschen, auf die Folgen für die Umwelt und das Weltklima zu achten in allem, was sie tun. Sie widmete ihr Buch dem Friedensnobelpreisträger Albert Schweizer, der zuvor vor den Folgen der Nuklearwaffen gewarnt hatte. Das Buch sensibilisierte viele Menschen für Umweltthemen und wurde zu einem der meistgelesenen und einflussreichsten Bücher der weltweiten Umweltbewegung, geriet aber zeitweise auch etwas in Vergessenheit. Die spürbare Erderwärmung in den letzten Jahren hat dem Buch : Der stumme Frühling“ (in Deutschland veröffentlicht 1968) wieder mehr zu der ihm gebührenden Beachtung verholfen.

Rachel Carson’s Buch löste in den USA heftige politische Reaktionen aus und führte zum späteren DDT-Verbot. Posthum wurde die Schriftstellerin und Biologin 1980 mit der Presidential Medal of Freedom, der höchsten zivilen Ehrung der USA, ausgezeichnet.

Zum Inhalt des Buches:

Es beschreibt im Eingangskapitel eine fiktive Kleinstadt, deren vormals reiche Tier- und Pflanzenwelt nach dem Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln nach und nach zu Grunde geht. Auch viele Menschen erkranken auf unerklärliche Weise. Diese Erzählung, die sich sehr gut in das Sachbuch über biologische Zusammenhänge einfügt, trägt auf angenehme Weise zum Verständnis bei. 

In den folgenden Kapiteln widmet sich die Autorin den damals kaum genügend eingeschätzten Auswirkungen von Insektiziden. 

Im dritten Kapitel beschreibt sie die Wirkung und Inhaltsstoffe der damals beliebten  Herbizide DDT, Chlordan, Dieldrin, Endrin, Aldrin und Heptachlor.

Die folgenden Kapitel folgen dem Weg der Schadstoffe, die über die verschiedenen Stufen der Nahrungskette am Ende auch den Menschen erreichen.

Sehr anschaulich erklärt Rachel Carson, wie über das Bienensterben, das die Bestäubung der Obstbäume immer weniger möglich macht, das Aussterben der Arten in Gang kommt. Wie über den mit Pestizid-Rückständen angereicherten Regenwurm, den die Vögel als Nahrung bevorzugen, viele Vogelarten zu Grunde gehen. Es wird deutlich, wie in der Natur alles mit allem zusammenhängt.

Das Buch enthält viele Fakten, ist jedoch durch Erlebnis- und Erfahrungsberichte einzelner Menschen aufgelockert, so dass es auch für Laien sehr gut lesbar ist.

Nach dem Lesen dieses Buches versteht jeder, dass ein direkter Zusammenhang besteht zwischen Wiesen, auf denen keine Wiesenblumen mehr blühen und den Bienen, die auf den Nektar der Blüten angewiesen sind. Wenn die Bienen keine ausreichende Nahrung mehr finden, dann wird die Menge der Bienenvölker, die für die Bestäubung unserer Obstbäume sorgen, immer geringer.

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Blüte des Muskateller-Salbei, besonders gerne von Hummeln besucht

 

Und der Ertrag der Bäume wird ebenfalls weniger. So hängt eines mit dem anderen zusammen. Die Landschaft würde sehr gewinnen, wenn durch weniger Spritzmittel wieder blühende Wiesen unsere Augen und Sinne erfreuen und für ein natürliches Gleichgewicht in der Natur sorgen würden. 

Das Buch „Der stumme Frühling“ kann zum Verständnis dieser  Zusammenhänge  beitragen und aufzeigen, dass wir schon viel zu lange unsere Augen vor diesen Tatsachen verschlossen haben.  

 

E.Z. ©2019  , Fotos: E.Z., Privat

Pfingsten, das fröhliche Fest …., trotz Corona-Pandemie?

 

Dieses Jahr findet das Pfingstfest ja leider unter eingeschränkten Bedingungen statt, die von Ort zu Ort verschieden sind. Manche dürfen und können sich unbefangen in der Natur aufhalten, andere sollen sicherheitshalber zu Hause bleiben, um sich nicht dem Corona-Virus auszusetzen. Aber überwiegend scheinen sich die Lockdown-Maßnahmen gelockert zu haben und so kann man sich doch an der Natur erfreuen und an den Gedanken, die sich Dichter und Reimer zu diesem Fest gemacht haben.

Fast jeder kennt den Anfang  von „Reineke Fuchs“ von Johann Wolfgang von Goethe:

„Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen;
es grünten und blühten Feld und Wald;
auf Hügeln und Höhn, in Büschen und Hecken
übten ein fröhliches Lied die neuermunterten Vögel;
jede Wiese sproßte von Blumen in duftenden Gründen.
Festlich heiter glänzte der Himmel und farbig die Erde.“

Die restlichen elf Gesänge über das Fest, zu dem Nobel, der König der Tiere, eingeladen hatte, weiß selten jemand auswändig. Das macht auch nichts, denn alle Tiere in Goethes Text werden sich nach und nach über Reineke Fuchs beklagen, der ihnen in irgend einer Weise Leid angetan hat. Also lassen wir es zu Pfingsten bei den ersten Zeilen, die so ermunternd klingen und schönes Wetter, frohe Laune, liebliche Natur und Tierwelt versprechen.

Mich freut es immer besonders, dass es nun auch wieder Pfingstrosen in vielen Farben und Variationen gibt. Das ist doch ein kleiner Trost für das trübe und regnerische Wetter, das uns dieses Jahr etwas bei den Feiertagsunternehmungen beeinträchtigt.

Blumen,Pfingstrose,BILD0190.JPG.png

Sie machen immer wieder Freude auf dem Wochenmarkt, besonders dieses Jahr, denn in den Gärten sind sie leider noch nicht so richtig gediehen. Ich werde mir gleich einen großen Strauß besorgen, denn Pfingsten ohne Paeonien, das ist für mich undenkbar.

Die Kinder freuen sich über die Pfingstferien, egal ob es regnet oder ob die Sonne scheint. Da passt das Gedicht von Gustav Falke sehr gut dazu:

Pfingsten, das heißt: das Neuste vom Schneider,
Helle Hosen und weiße Kleider,
Neue Sonnenschirme und neue Hüte
Mit Bändern und Blumen, jeder Güte.
Pfingsten, das heißt: sich drängen und stoßen,
Und quetschen und schieben, die Kleinen und Großen,
Besetzte Bahnen, Tramways und Breaks,
Heißt: Schinken und Spargel und Rührei und Steaks,
Maibowle, Bier, frohe Gesichter
Und ab und zu ein lyrischer Dichter.
Pfingsten heißt auch: Fiedel und Flöte,
Ein Zitat aus Reineke Fuchs von Goethe,
Heißt Tanz und Predigt, heißt Kirche und Schenke.
Was heißt Pfingsten nicht alles, wenn ich’s bedenke.
Eins noch vor allem, vom ganzen Feste
Ist das das Schönste, ist das Beste:
Das junge lachende Maienlaub,
Hell wimpelnd über Lärm und Staub,
Des Lebens grüne Standarte. Hurra!
Freue dich, Mensch! Pfingsten ist da!

(Aus der Sammlung „Frohe Fracht“ von Gustav Falke, (1853-1916)

Ich wünsche den Lesern meines Blogs ein frohes Pfingstfest. Bleiben Sie gesund und froh.

 

Foto: E.Z., Privat

Zum Valentinstag eine Prise Ringelnatz

Ich habe dich so lieb

Ich habe dich so lieb!
Ich würde dir ohne Bedenken
Eine Kachel aus meinem OfenEin Blumenstrauß erfreut immer
Schenken.

Ich habe dir nichts getan.
Nun ist mir traurig zu Mut.
An den Hängen der Eisenbahn
Leuchtet der Ginster so gut.

Vorbei – verjährt –
Doch nimmer vergessen.
Ich reise.
Alles, was lange währt, Ist leise.

Die Zeit entstellt
Alle Lebewesen.
Ein Hund bellt.
Er kann nicht lesen.
Er kann nicht schreiben.
Wir können nicht bleiben.

Ich lache. Die Löcher sind die Hauptsache
An einem Sieb.

Ich habe dich so lieb.

***********************

 

Und hier noch ein Gedicht von Percy Bysshe Shelley, das ebenfalls als Valentins-Gruß geeignet ist:


Love‘s Philosophy , von P.B. Shelley


The fountains mingle with the riverEin Blumenstrauß erfreut immer

And the rivers with the ocean,

The winds of Heaven mix forever

With sweet emotion;

Nothing in the world is single;

All things by a law divin

In one spirit meet and mingle.

Why not I with thine?

See the mountains kiss high Heaven

And the waves clasp one another;

No sister-flower would be forgiven

If it disdained its brother.

And the sunlight clasps the earth

And the moonbeams kiss the sea;

What are all these kissings worth

If thou kiss not me?

————————————————

…ein Gedicht von Theodor Storm (1817-1888):

Damendienst

Die Schleppe will ich dir tragen,
ich will deinem Wink mich weih’n,
an Festen und hohen Tagen,
sollst Du meine Königin sein!

Deiner Launen geheimste und Künste
gehorsam erfüll ich Dir,
doch leid‘ ich in diesem Dienste
keinen andern neben mir.

Solange ich Dir diene in Ehren,
gehöret Dein Lächeln mein.
Deinen Hofstaat will ich vermehren,
doch der Erste will ich sein!

——————————————–
Ach ja, das waren noch Zeiten, als die Jünglinge noch dienen wollten. Und ebenso lange ist es her, dass die Mädchen solche Angebote zu schätzen wussten ;-). Oder täusche ich mich?

Und hier noch ein englisches Verslein für die Kleinen, die ihrer Mama eine Freude machen wollen.

Roses are red
violetts are blue

honey is sweetBILD0044
and so are you.

 

 

(Den Verfasser kenne ich nicht, da ich das Gedicht in meiner Kindheit gelernt habe.)

Norella, bearb. Februar 2016

Der Quittenbaum, Gedicht

Reich tragender Birnenquittenbaum im Garten

Der Quittenbaum

Ich ging in einem schönen Tal,

da staunte ich mit einem Mal:

Es stand vor mir am Wegessaum

ein dunkelgrüner Quittenbaum.

Und in dem Laube wunderhold,

aufglänzend wie das reine Gold,

die Quitten überdeckt mit Flaum,

am dunkelgrünen Quittenbaum.

Welch eine sonnenhafte Frucht

in ihres Wachstums reicher Wucht,

so groß, die Hand umfasst die kaum,

am dunkelgrünen Quittenbaum.

Die Drossel in den Ästen sang

so voll, dass mir das Herz erklang.

Ging über sie ein Liebestraum

im dunkelgrünen Quittenbaum?

Gar viel Erlebtes ist verweht,

doch immer mir vor Augen steht

mit seinem Gold in Tag und Traum

der dunkelgrüne Quittenbaum.

Verfasser leider unbekannt

„Silent Spring“, v. R. Carson, warum jetzt lesen?

„Silent Spring“, v. R. Carson, warum jetzt lesen?

Warum wir im Lesekreis gerade das Buch: Der stumme Frühling“ von Rachel Carson lesen:

Der Klimawandel, der ja in allen Medien ein großes Thema geworden ist, war der Anlass, uns während des monatlichen Lesekreis-Treffens mit dem bereits 1962 in Amerika erschienenen Buch der Biologin Rachel Carson zu befassen. Wir lesen jeweils ein Kapitel gemeinsam und tauschen uns darüber aus, danach widmen wir uns dem belletristischen Buch, das wir für dieses Vierteljahr gewählt haben. Dieses Buch lesen wir sowohl zusammen im Lesekreis, als auch zu Hause.

Rachel Carson war die erste Autorin, die sich schon früh mit dem Einfluss befasste, den chemische Pflanzenschutzmittel auf Pflanzen, Tiere und Menschen haben. Ein Brief der Journalistin O.O. Huckins, in dem sie über die verheerenden Auswirkungen von Pestizid-Sprühflügen über einem Vogelschutzgebiet berichtete, gab den Anstoß zum Verfassen des Buches. Rachel Carson schrieb „Silent Spring“  1963 als frühe Warnung für Landwirte und alle verantwortungsbewussten Mitmenschen, auf die Folgen für die Umwelt und das Weltklima zu achten in allem, was sie tun. Sie widmete ihr Buch dem Friedensnobelpreisträger Albert Schweizer, der zuvor vor den Folgen der Nuklearwaffen gewarnt hatte. Das Buch sensibilisierte viele Menschen für Umweltthemen und wurde zu einem der meistgelesenen und einflussreichsten Bücher der weltweiten Umweltbewegung, geriet aber zeitweise auch etwas in Vergessenheit. Die spürbare Erderwärmung in den letzten Jahren hat dem Buch : Der stumme Frühling“ (in Deutschland veröffentlicht 1968) wieder zu der ihm gebührenden Beachtung verholfen.

Rachel Carson’s Buch löste in den USA heftige politische Reaktionen aus und führte zum späteren DDT-Verbot. Posthum wurde die Schriftstellerin und Biologin 1980 mit der Presidential Medal of Freedom, der höchsten zivilen Ehrung der USA, ausgezeichnet.

Zum Inhalt des Buches:

Es beschreibt im Eingangskapitel eine fiktive Kleinstadt, deren vormals reiche Tier- und Pflanzenwelt nach dem Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln nach und nach zu Grunde geht. Auch viele Menschen erkranken auf unerklärliche Weise. 

In den folgenden Kapiteln widmet sich die Autorin den damals kaum richtig eingeschätzten Auswirkungen von Insektiziden. 

Im dritten Kapitel beschreibt sie die Wirkung und Inhaltsstoffe des damals beliebten  Herbizide DDT, Chlordan, Dieldrin, Endrin, Aldrin und Heptachlor.

Die folgenden Kapitel folgen dem Weg der Schadstoffe, die über die verschiedenen Stufen der Nahrungskette am Ende auch den Menschen erreichen.

Sehr anschaulich beschreibt sie, wie über das Bienensterben, das die Bestäubung der Obstbäume immer weniger möglich macht, das Aussterben der Arten in Gang kommt. Wie über den mit Pestizid-Rückständen angereicherten Regenwurm, den die Vögel als Nahrung bevorzugen, viele Vogelarten zu Grunde gehen. Es wird deutlich, wie in der Natur alles mit allem zusammenhängt.

IMG_0752 (Auch im Blumentrog in der Stadt kann Nahrung für Bienen, Hummeln, Insekten gedeihen. Hier ist es die Blüte des Muskateller-Salbei, der besonders bei Hummeln beliebt ist)

 

 

 

Foto: E.Z., Privat

 

 

Das Buch enthält viele Fakten, ist jedoch durch Erlebnis- und Erfahrungsberichte einzelner Menschen aufgelockert, so dass es auch für Laien sehr gut lesbar ist.

E.Z©2019

Foto: Vogel, von Ute Leser, Hamburg

„Die Pest“, von Albert Camus, gefragter Lesestoff in diesen Tagen

Selbst in meinem hohen Alter erlebt man noch Überraschungen. Wer hätte das gedacht, dass das Buch „Die Pest“ von Albert Camus (1913-1960) von Alt und Jung irgendwann ein Mal freiwillig und gerne gelesen wird. Es war als Lesestoff  in der Schule nicht gerade beliebt. Als ich es etwa 1960 gelesen habe, hat mich die fiktive Geschichte über den Ausbruch der Pest in der algerischen Stadt Oran fasziniert, erschreckt, aufgeschreckt, begeistert. Aber ich war auch froh, dass es   n u r    ein Roman war.

Als  Anfang Januar 2020 die ersten Nachrichten über den Ausbruch eines Virus’ in China in den Nachrichten kamen, fiel mir sofort das Buch wieder ein und ich überlegte, wo es wohl sein konnte, denn nach mehreren Umzügen in der Zwischenzeit, hatte ich Buchdepots im Wohnzimmer, Schlafzimmer, in mehreren Kellern. Kurzum, ich fand es nicht so schnell, wie ich es lesen wollte und ich begab  mich wohlgemut ins Internet, wo ich das Buch möglichst als gebrauchtes Exemplar kaufen wollte. Bei meinem Internet-Händler gab es damals noch einige neue Exemplare, mehrere gebrauchte von verschiedenen Händlern. Ich bestellte mir ein gebrauchtes Exemplar vom Händler meines Vertrauens (ZVAB). Einige Zeit später waren die neuen und gebrauchten Bücher weitgehend ausverkauft.

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Ich fing an zu lesen und war tief betroffen von der Ähnlichkeit der Vorkommniss, die in dem Roman beschrieben sind und wie sie sich heute hier und überall auf der Welt ereignen. Es war damals die Pest, jetzt ist es ein neues Virus – aber die Menschen reagieren, als Einzelne wie auch als Kollektiv,  sehr ähnlich. Albert Camus beschreibt den Verlauf der Ereignisse sehr anschaulich in seinem 1947 erschienenen Buch. Er erhielt zu Recht (1957) den Literaturnobelpreis für sein Gesamt-Werk.

In dem Roman sind es verendende Ratten, die der Arzt Bernard Rieux auf seiner Treppe vorfindet, als er an einem Aprilmorgen das Haus verlässt. Er beschwichtigt sein Erstaunen und die kleine Unruhe, die ihn bei ihrem Anblick befällt, mit der Überlegung, dass das ja vorkommen kann. Im Laufe der Woche werden es aber mehr … und der Roman gibt Zeugnis von dem, was Doktor Rieux so nach und nach im Kampf gegen die Seuche  (und die Unvernunft der Bewohner von Oran) erlebt oder sieht. Ich fand den Anfang des Romans: „Am Morgen des 16. April trat Doktor Bernard Rieux aus seiner Praxis und stolperte mitten auf dem Treppenabsatz auf eine tote Ratte …“  beunruhigend. In den Medien weltweit war inzwischen davon die Rede, dass der Ausbruch des neuen Corona-Virus auf einem Markt in China, wo auch lebende Wildtiere zum Verkauf angeboten wurden, vermutet wird. Obwohl es sich bei der Pest um Bakterien und bei Corona um ein Virus handelt, drängt sich die vermutliche Übertragung von einem Tier zum Menschen auf. 

Nachdem ich das Buch erneut nach so vielen Jahren gelesen habe, verstand ich manches besser als in meiner Jugend. Es wurde mir klar, dass der Roman auch als Metapher für andere unerfreuliche Vorkommnisse zu verstehen war und auch einen Bezug zur Besetzung Frankreichs durch die Nationalsozialisten hat,  Er ist auch eine Hommage an die Widerstandskämpfer der Résistance.

Für den Durchschnittsleser ist der Roman auch jenseits seiner politischen Zwischentöne schon immer einfach eine spannende Lektüre gewesen und ist es nun im besonderen Maße. Durch die inzwischen in Kraft getretenen Vorsorgemaßnahmen in Bezug auf die Weiterverbreitung des Corona-Virus haben nun mehr Menschen Zeit zum Lesen als noch vor Wochen, Sie haben auch mehr Zeit zum Nachdenken.

Mein Lesekreis freut sich jedenfalls, dass ich noch rechtzeitig und etwas mühsam einige gebrauchte Taschenbücher aus den Jahren 1955 und 1965 ergattern konnte. Wir haben uns am 7. März für dieses Buch entschieden und wollten das Buch gemeinsam bei unseren monatlichen Treffen nach und nach im Laufe des Sommers lesen. Durch die Aufforderung,  sich nicht in Gruppen außerhalb des familiären Umfeldes zu treffen, lesen wir nun alle zu Hause und werden uns telefonisch über den Inhalt des Buches „Die Pest“ von Albert Camus austauschen. Eigentlich wollten wir die Leipziger Buchmesse abwarten,  bevor wir das gemeinsam zu lesende Buch für den Sommer auswählen. Für das Sommerhalbjahr dachten wir eher an etwas Zeitgemäßes und vielleicht auch etwas Humorvolles. Wir haben uns auf Grund der aktuellen Ereignisse für einen Klassiker entschieden, der uns vielleicht hilft, das besser zu verstehen, was sich um uns herum zusammenbraut.

Es zeigt sich, dass das Internet in solchen Zeiten eine große Hilfe sein kann. Literaturbeiträge auf allen Kanälen – den Bücherwurm freut es. Und in Zeiten von Ausgangssperre usw., hat auch der Versandhandel seine erkennbaren Vorteile. 

(Das Buch ist auch als E-Book problemlos im Internet zu erwerben und hat den Vorteil, dass die Schrift auf dem E-Book-Reader größer gestellt werden kann, was manche Altersgruppen sehr begrüßen).

E.Z.©21.03.2020 ,   Foto: Privat,E.Z.

Aktuell: Das Buch wird am Karfreitag im Österreichischen Rundfunk in einer 10-stündigen Sendung  u.a. von Elfriede Jelinek, Adele Neuhauser, Armin Wolf, Klaus Maria Brandauer, Arik Brauer, Stefanie Sargnagel gelesen. Insgesamt sollen sich 120 Menschen beteiligen.

Einen Monat lang soll die Marathonlesung auf fm4.orf.at nach der Premiere am Karfreitag abrufbar sein.

Women’s-Day, Weltfrauentag, Welt-Frauen?

 

Schön wäre es ja, wenn heute, an diesem 8. März 2020, alle Frauen der Welt die Aufmerksamkeit, den Respekt, die Anteilnahme und die Hilfe bekommen würden, die sie verdienen. Ich meine  alle, auch alle weiblichen Kinder, junge Mädchen, nicht nur erwachsene Frauen. Leider hält sich nämlich bis auf den heutigen Tag in so machen Ländern der Welt die Freude über die Geburt eines Mädchens in Grenzen.

Vor etwa dreißig Jahren erhielt ich überrschenderweise eine sehr schöne, blumige Postkarte mit einem etwas kitschigen Text in Versform. Es stellt sich heraus, dass unser Austauschschüler aus Polen sie mir zum „Frauentag“ am 8. März geschrieben hatte. Davon hatte ich zum damaligen Zeitpunkt noch gar nichts gehört. Wir hatten ja unseren Muttertag in Deutschland und der war ja schon recht umstritten in vielen Kreisen. Später, kurz nach der Wende, lernte ich Frauen aus der früheren DDR kennen, die sich sehr wunderten, dass bei uns der 8. März nicht gefeiert wurde. Nun haben wir es also geschafft. Wir Frauen fordern an diesem Tag (lautstark, bunt und vielfältig in Wort und Tat), Gleichheit, Gerechtigkeit, Anerkennung. Das ist sicher gut so. Aber ein bisschen peinlich ist es auch, dass das nach so langer Zeit überhaupt noch nötig ist, dass Frauen in unserem Land und auf der ganzen Welt die Gleichheit einfordern, die doch selbstverständlich sein sollte. Hier bei uns hat sich ja schon sehr viel zum Guten gewendet und in vielen Punkten haben die Frauen Gleichheit und Anerkennung  erreicht.

Wenn man sich aber in der Welt so umsieht und umhört, dann gibt es noch so viele unglaubliche Ungerechtigkeiten, die Frauen ertragen müssen, so viel Schmerzen und Kränkungen, die Frauen auch heute noch zugefügt werden. Aber auch viele kleine Schritte wurden und werden unternommen, z.B. von PLAN-International u.a. Organisationen. Ich lese mit großem Interesse die Berichte, die ich über die Situation von Frauen in Afrika, Lateinamerika, Asien bekomme, weil ich die Arbeit von Plan unterstütze. Mein Patenkind Ena, ein Mädchen aus Kamerun, schreibt mir begeistert von ihren Erfolgen in der Schule (sie mag Mathe), den neuen WC-Anlagen auf dem Schulgelände, vom neuen Brunnen im Dorf, von den Frauen, die nun Gemüse anbauen und in Eigenregie verkaufen, um die Kinder in die Schule schicken zu können. Wo sind die Männer, frage ich mich oft, wenn ich diese Berichte lese? Aber immerhin geht es da und dort vorwärts – ich mache mir große Hoffnungen, dass es überall in der Welt besser werden wird für alle, vor allem aber für die Kinder. Es muss gelingen, denn die Frauen sind entschlossen, die Veränderungen selbst voranzubringen. Wenn sich die Männer anschließen sollten, wäre es um so besser.

Ich stelle mir vor, dass das Mädchen Enna aus Kamerun, das Mathematik liebt, eines Tages eine selbstbewusste Frau sein wird, eine Frau, die in der Männerwelt der Informatik Dinge vorantreibt, mit großer Selbstverständlichkeit einen Posten in einer Chefetage einnimmt oder ein eigenes IT-Unternehmen gründet.

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 Enna hat Post aus Deutschland bekommen

Warum eigentlich nicht? Mit Hilfe von PLAN-International, der Organisation die ganz bewusst Mädchen besonders unterstützt, wurde ihr Interesse am Lernen und gleichzeitig  an Mathematik geweckt. Daraus kann viel Gutes entstehen für Ena, ihre Familie, ihr Dorf, ihr Land. Vielleicht wird sie die „Lady Lovelace“* aus Kamerun? Das Buch über diese große Mathematikerin habe ich ihr schon Mal geschickt. Vorbilder sind ja nicht zu unterschätzen.

8. März 2020@E.Z.

  • *Ada Lovelace (1815-1852),  Tochter von Lord Byron  (hat an der Entwicklung von  Computerprogrammen und einer Programmiersprache entscheidend mitgearbeitet)
  • Viele Ada-Lovelace-Projekt werden in fast allen Bundesländern als Mentoring-Programme gestartet, um das Interesse von Frauen für das Studium der Naturwissenschaften zu wecken.

Wie ist die Sitte des Valentinstages entstanden?

 

 

Wie bei vielen anderen Gebräuchen gibt es über die Entstehung des Valentinstages viele verschiedene Versionen. Eine davon scheint recht glaubwürdig zu sein. Sie geht auf eine Überlieferung aus dem mittelalterlichen England zurück, wonach sich am 14. Februar jeder seine Valentine, seinen Valentin wählen durfte. Manche glauben, dass ein Losverfahren darüber entschieden hat.

Da besonders junge, unverheiratete Mädchen am Abend vor dem Valentinstag Hochzeitsorakel befragten und altüberlieferte Rituale ausführten, Blumen, Geschenke und Gedichte für den Angebeteten bereitlegten, setzte sich der Gedanke durch, dass derjenige, der einem mit Geschenken oder Blumen bepackten Mädchen am Morgen des 14. Februar als erster begegnete, der Auserwählte für ein Jahr oder für immer werden sollte. Es gab angeblich die Sitte in angelsächsischen Ländern, dass am 14. Februar im Rahmen eines „Mai-Lehens“ den jungen Männern gestattet wurde, ein unverheiratetes Mädchen für ein Jahr zu ersteigern. Dieses durften sie nun ausführen und als „Partnerin“ für ein Jahr betrachten. Spätere Heirat war vermutlich nicht ausgeschlossen.

Valentin kam erst ins Spiel, als im Heiligenkalender am 14. Februar eine Lücke entstanden war, weil ein ursprünglich gefeiertes Fest auf einen anderen Tag verlegt wurde. Dieser Tag wurde nun dem Gedenken an den Heiligen Valentin im Kirchenkalender reserviert. Valentin soll heimlich Paare getraut haben, deren Verbindung anderweitig abgelehnt wurde. Er soll viele gute Werke getan und sich vor allem um unglücklich Liebende gekümmert haben.

Die Sitte, Grußkarten zu schicken, geht auf den Herzog von Orleans zurück, der 1415 im Londoner Tower gefangen gehalten wurde. Er habe seiner Gattin von dort immer wieder Liebesgrüße geschickt, die diese durch das Schicken von Blumen erwiderte.

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Auch dem Schriftsteller Samuel Pepys wird die Einführung der Valentinskarten zugeschrieben, denn er hat am 14. Februar 1667 einen Liebesbrief auf hellblauem Papier mit goldener Schrift an seine Frau geschickt, für den sie sich mit Blumen bedankte. Diese schöne Geste wurde sehr bald in der britischen Oberschicht nachgeahmt.

Irgendwie kam dieser schöne Brauch über England, Frankreich und Belgien auch nach Deutschland, ganz besonders durch die englischen und amerikanischen Besatzungsmächte nach dem 2. Weltkrieg. Das ist neben all den traurigen Ereignissen, die mit der Besatzungszeit verbunden sind, wenigstens eine erfreuliche Hinterlassenschaft.

Wie die Sitte des Valentins-Tages auch entstanden sein mag, man kann getrost feststellen, dass dies ein Tag ist, der nur gute und angenehme Ursachen für seine Entstehung für sich beanspruchen kann. Das kann man ja nicht von jedem Gedenktag sagen.

 

Quellen: Internet, Lexikon, klass. Literatur

Foto: E.Z., Privat