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Silvester am Neckar

Silvester 2015

Das Jahr 2016 hat viele Menschen vor große Herausforderungen gestellt. Ja, es hat viele Menschen (auch mich) sprachlos gemacht angesichts mancher vermeidlicher und unvermeidlicher Katastrophen. Nun hoffen alle zu Recht auf eine Wende, auf bessere Zeiten. Vor allem auf den gesunden Menschenverstand, der so manchen anscheinend gerade am Ende des Jahres offensichtlich zeitweise verlassen hatte. Jedenfalls wenn man Wahlergebnisse als Gradmesser dafür nimmt. Gute Vorsätze und das Hoffen auf kleine und große Wunder helfen da manchmal weiter. In diesem Sinne hat sich so mancher Dichter und Denker  früher schon zur Jahreswende hoffnungsvoll geäußert. Mir hat in diesen Tagen das „Neujahrslied“ von Johann Peter Hebel besonders gefallen. Hier ist es:

Mit der Freude zieht der Schmerz,
traulich durch die Zeiten.
Schwere Stürme, milde Weste,
bange Sorgen, frohe Feste
wandeln sich zur Seiten.

Und wo eine Träne fällt,
blüht auch eine Rose.
Schon gemischt, noch eh‘ wir‘s bitten,
ist für Thronen und für Hütten
Schmerz und Lust im Lose.

War‘s nicht so im alten Jahr?
Wird‘s im neuen enden?
Sonnen wallen auf und nieder,
Wolken geh‘n und kommen wieder
und kein Wunsch wird‘s wenden.

Gebe denn, der über uns
wägt mit rechter Waage,
jedem Sinn für seine Freuden,
jedem Mut für seine Leiden
in die neuen Tage.

Jedem auf des Lebens Pfad
einen Freund zur Seite,
ein zufriedenes Gemüte
und zu stiller Herzensgüte
Hoffnung ins Geleite.

Einen guten Rutsch ins neue Jahr und viel Glück, Erfolg und Freude wünsche ich den Lesern des Blogs.

 

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Die Schule hat hier in Baden-Württemberg gerade wieder begonnen, was viele der Kinder weniger schön finden, andere wieder freuen sich, ihre Schulkameraden wieder zu sehen. Es soll sogar Kinder geben, die sich darauf freuen, Neues zu lernen, ihrem Wissensdurst Nahrung zu geben, vielleicht sogar im Chor zu singen. Als ich Kind war, war es selbstverständlich, dass die Klasse morgens gemeinsam ein jahreszeitlich passendes Lied sang oder ein Gebet sprach. Das weitete die Atemwege, versorgte die Hirnwindungen mit Sauerstoff, bereitete gut auf die Lernstunden vor. Eines der Lieder, die mir sehr gut gefallen haben und mir deshalb im Gedächtnis blieben, wurde 1782 vom Schweizer Schriftsteller Johann Gaudenz von Salis-Seewis, verfasst.

Da Freiherr von Salis-Seewis mit Goethe, Schiller und anderen Dichtern der Romantik bekannt war, überließ er die Vertonung Johann Reichardt, der sich ebenfalls im Kreis der Romantiker aufhielt. Später kam eine Vertonung durch Franz Schubert hinzu, der eine Anzahl von Gedichten des Freiherrn von Salis-Seewis in Melodien gefasst hat. Von Salis-Seewis und der in Königsberg geborene Reichardt hielten sich längere Zeit in Weimar auf. Das herbstliche Volkslied hat eine sehr einprägsame und getragene Melodie.

Der Text lautet wie folgt:

Bunt sind schon die Wälder,
gelb die Stoppelfelder,
und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen,
graue Nebel wallen,
kühler weht der Wind.

Wie die volle Traube
aus dem Rebenlaube
purpurfarbig strahlt!
Am Geländer reifen
Pfirsiche, mit Streifen
rot und weiß bemalt.

Flinke Träger springen,
und die Mädchen singen,
alles jubelt froh.
Bunte Bänder schweben
zwischen hohen Reben
auf dem Hut von Stroh.

Geige tönt und Flöte
bei der Abendröte
und im Mondesglanz.
Junge Winzerinnen
winken und beginnen
frohen Erntetanz.

Freiherr von Salis- Seewis hat übrigens auch das Lied „Der Jäger aus Kurpfalz“ verfasst. Dieses wird bis heute in der Kurpfalz gerne gesungen und von einem Jäger in historischer Gewandung bei Festen in Stadt und Land mit Trompetenbegleitung dargeboten.

septemberblumen-015     Der Sommer hat sich ja dieses Jahr sehr zögerlich gezeigt. Irgendwie lustlos, ein paar sonnige Tage dann und wann, dann wieder Regen oder zumindest feucht-kühles Wetter. Nun aber, wo es auf den offiziellen meteorologischen Herbst zugeht, legt er noch einmal richtig los. Das ist auf jeden Fall zu loben, und wie könnte man es besser tun als mit einem Gedicht von Erich Kästner.

Der September

Das ist ein Abschied mit Standarten
aus Pflaumenblau und Apfelgrün.
Goldlack und Astern flaggt der Garten,
und tausend Königskerzen glühn.
Das ist ein Abschied mit Posaunen,
mit Erntedank und Bauernball.
Kuhglockenläutend zieh‘n die braunen
und bunten Herden in den Stall.

Das ist ein Abschied mit Gerüchen
aus einer fast vergessenen Welt.
Mus und Gelee kocht in den Küchen.
Kartoffelfeuer qualmt im Feld.
Das ist ein Abschied mit Getümmel,
mit Huhn am Spieß und Bier im Krug.
Luftschaukeln möchten in den Himmel.
Doch sind sie wohl nicht fromm genug.

Die Stare gehen auf die Reise.
Altweibersommer weht im Wind.
Das ist ein Abschied laut und leise.
Die Karussells dreh’n sich im Kreise.
Und was vorüber schien, beginnt.

„Mus und Gelee“ wird auch heute noch da und dort in den Küchen gekocht, Hühner drehen sich ganzjährig am Spieß, Bier gab es gestern und heute in gleicher Qualität. Ob es aber noch erlaubt und üblich ist, Kartoffelfeuer zu machen, das weiß ich nicht. Ich kann mich aber noch daran erinnern, dass wir als Kinder (Kinderarbeit hin oder her) frühmorgens mit dem Bauern, bei dem wir als Flüchtlinge einquartiert waren, auf den Kartoffelacker mussten. Wir sangen allen Ernstes: „Im Frühtau, zu Berge wir ziehn, fallera“, ein Lied das man damals in der Schule lernte. Frühtau lag noch auf dem Kartoffelkraut und auf dem Gras der Feldwege. Das mochte ich gar nicht, die Erde war meist matschig und klebte an den Schuhen (Gummistiefel für Kinder gab es nicht); Wattierte Jacken gab es kurz nach dem Krieg auch nicht, ein Strickjäckchen musste genügen. Jeder weiß, dass feuchte Kälte ohne weiteres durch Gestricktes kriecht. Ich fand es sehr ungemütlich. Aber jede Hand wurde gebraucht. Die Erwachsenen hackten um das Kraut der Pflanze herum und zogen dann energisch am Kraut, hoben das lange Gebilde in die Höhe und schüttelten die daran hängenden Kartoffeln heftig ab. Die schweren, großen Exemplare fielen als erste zwischen die Ackerfurchen. uns so sammelte ich müde, durchgefroren und schlecht gelaunt Kartoffeln in Körbe, die dann in Jute-Säcke umgefüllt wurden.

Aber gegen Mittag wurde dann das Kartoffelkraut aufgeschichtet, angezündet und wir Kinder durften jetzt Kartoffeln an einen biegsamen jungen Ast stecken und diesen in das Feuer halten. Wenn die Kartoffelschale  kohlschwarz war und knisterte, dann war das Innere weich. Nie waren Kartoffeln köstlicher als nach der Arbeit auf dem Feld. Es gab weder Butter noch Sahne oder sonst irgendetwas dazu, damals jedenfalls. Und niemand hat sich Gedanken gemacht über die schwarzen Finger, die wir von dem gesundheitsschädlichen Ruß auf der Kartoffelschale bekamen. Das Feuer hatte uns erwärmt und die Kartoffeln unsere Lebensgeister erweckt und machten die vorausgegangene Mühsal vergessen.
So ungefähr muss es Erich Kästner vor Augen gehabt haben, als er sein Gedicht „Der September“ schrieb.

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Foto: Herzförmige Kartoffel, die im Frühjahr neue Triebe angesetzt hat

Für die beiden Fotos danke ich Frau Ute Leser, Hamburg

Was tun, wenn man keinen Fußball mag?  Überall liest und hört man zur Zeit ja nur über dieses eine Thema.

Was macht man, wenn man kein Fußballfan ist? Ist man zur Einsamkeit verurteilt oder gibt es eine Alternative? Ja, es gibt sogar mehrere.

Man kann die leer gefegten Landstraßen während eines wichtigen Spieles nutzen für eine genüssliche Fahrt zu einem sonst wegen des Staus gemiedenen Ziel.

Beim nächsten Spiel „Deutschland gegen ……“ ist die ideale Zeit,  Erdbeermarmelade  zu kochen, Kirschen einzumachen, einen köstlichen Kuchen zu backen.

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Für das Spiel Italien:Deutschland hat eine Nachbarin diese prächtige Kreation aus Bisquitteig gezaubert und an köstlichen Beeren und  sonstigen süßen Früchten nicht gespart

Garantiert kein Anruf stört die fleißige Hausfrau gerade in dem Moment, in dem der heiße Brei in die Gläser gefüllt werden muss.

Frau kann sich endlich mal genüsslich mit einer Freundin im Kino treffen, ein Eis essen gehen oder den lange fälligen ausgiebigen Friseurtermin wahrnehmen.

Sogar die betagte Tante im Altersheim könnte der Fußballmuffel weiblichen oder männlichen Geschlechts mal wieder besuchen, ohne zu Hause vermisst zu werden. Ganz im Gegenteil, der echte Fußballfan am häuslichen Fernseher hat Besseres zu tun als die Häupter seiner Lieben zu zählen. Hauptsache, niemand stört das nervenzerreibende und ganzkörperentzückende Seh-Ereignis am Flach- oder gar Großbildschirm.

Von einem persönlichen Besuch eines Spiels im Stadion ganz zu schweigen. Da wäre die Anwesenheit eines familieneigenen Fußballmuffels nicht zu ertragen und schade ums Geld wäre es allemal. „Hier bin ich Fan, hier darf ich‘s sein“, heißt es da in leichter Abwandlung eines Goethe-Zitats und gleichgültige oder ablehnende Zeitgenossen stören da nur.

Der Fußballmuffel ist also während der Europameisterschaft fast vollkommen auf sich gestellt. Wenn er sich rechtzeitig nach Bundesgenossen umsieht, kann das eine spannende Zeit werden, die zu ungeahnten Aktivitäten verführt. Aber auch süßes Nichtstun wäre eine Alternative. Es kann ein preiswerter Urlaub zu Hause werden. Niemand wird die An- oder Abwesenheit bemerken, niemand Ansprüche stellen. Vorausgesetzt, dass der Fußballfan vor den Spielen gelernt hat, sich ein paar Brote selbst zu schmieren und sein Bier selbst aus dem Kühlschrank zu holen.

Nach erholsamen Faulenzertagen oder tollen neuen Unternehmungen mit Gleichgesinnten hat am Ende der spannenden und anstrengenden EM-Zeit der Fußballmuffel die nicht zu unterschätzende Freiheit, spätestens beim Endspiel (wo‘s so richtig spannend wird), sich frisch und munter zu den bereits ziemlich ramponierten Fußball-Fans vor den Bildschirm zu gesellen. Und er darf sich wertfrei mit dem Sieger freuen, egal wer das ist.- Unsportlich wie er ist, hat er eh‘ schon die ganze Zeit a l l e n Teilnehmern Respekt gezollt und die bewundert, die diesen Stress bis zum Schluss mit Füßen und Nerven durchgehalten haben.

(Dieser Text ist zur Weltmeisterschaft vor vielen Jahren entstanden, kann zu allen Meisterschaftsereignissen wieder verwendet werden. Deshalb habe ich ihn hier gepostet, obwohl er schon lange auf meinem Blog zu finden ist. Die Rahmenbedingungen ändern sich ja nicht, nur das Datum.)

Der Text kann auch gehört werden unter http://www.literiki.com. Dort findet man ihn während der Europameisterschaft kostenlos unter den „Weckgeschichten“, die die Schweizerin Isabella Hoegger als Hörerlebnis auf ihrer Website versammelt hat.

 

 

Fast jeder kennt den Anfang  von „Reineke Fuchs“ von Johann Wolfgang von Goethe:

„Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen;
es grünten und blühten Feld und Wald;
auf Hügeln und Höhn, in Büschen und Hecken
übten ein fröhliches Lied die neuermunterten Vögel;
jede Wiese sproßte von Blumen in duftenden Gründen.
Festlich heiter glänzte der Himmel und farbig die Erde.“

Die restlichen elf Gesänge über das Fest, zu dem Nobel, der König der Tiere, eingeladen hatte, weiß selten jemand auswändig. Das macht auch nichts, denn alle Tiere in Goethes Text werden sich nach und nach über Reineke Fuchs beklagen, der ihnen in irgend einer Weise Leid angetan hat. Also lassen wir es zu Pfingsten bei den ersten Zeilen, die so ermunternd klingen und schönes Wetter, frohe Laune, liebliche Natur und Tierwelt versprechen.

Mich freut es immer besonders, dass es nun auch wieder Pfingstrosen in vielen Farben und Variationen gibt. Das ist doch ein kleiner Trost für das trübe und regnerische Wetter, das uns dieses Jahr etwas bei den Feiertagsunternehmungen beeinträchtigt.

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Sie machen immer wieder Freude auf dem Wochenmarkt, besonders dieses Jahr, denn in den Gärten sind sie leider noch nicht so richtig gediehen. Ich werde mir gleich einen großen Strauß besorgen, denn Pfingsten ohne Paeonien, das ist für mich undenkbar.

Die Kinder freuen sich über die Pfingstferien, egal ob es regnet oder ob die Sonne scheint. Da passt das Gedicht von Gustav Falke sehr gut dazu, das ich erst nach den Feiertagen im Netz gefunden habe:

Pfingsten, das heißt: das Neuste vom Schneider,
Helle Hosen und weiße Kleider,
Neue Sonnenschirme und neue Hüte
Mit Bändern und Blumen, jeder Güte.
Pfingsten, das heißt: sich drängen und stoßen,
Und quetschen und schieben, die Kleinen und Großen,
Besetzte Bahnen, Tramways und Breaks,
Heißt: Schinken und Spargel und Rührei und Steaks,
Maibowle, Bier, frohe Gesichter
Und ab und zu ein lyrischer Dichter.
Pfingsten heißt auch: Fiedel und Flöte,
Ein Zitat aus Reineke Fuchs von Goethe,
Heißt Tanz und Predigt, heißt Kirche und Schenke.
Was heißt Pfingsten nicht alles, wenn ich’s bedenke.
Eins noch vor allem, vom ganzen Feste
Ist das das Schönste, ist das Beste:
Das junge lachende Maienlaub,
Hell wimpelnd über Lärm und Staub,
Des Lebens grüne Standarte. Hurra!
Freue dich, Mensch! Pfingsten ist da!

Foto: E.Z., Privat

Uff!
Gerade habe ich die letzte von unzähligen Weihnachtskarten und Weihnachtsbriefen in den Briefkasten geworfen. Ich schreibe gerne und ich weiß, dass meine Verwandten und Freunde zum Jahresende auf ein Lebenszeichen warten. Es wäre übertrieben zu sagen, dass ich das „mit Links“ mache. Es ist anstrengend für Handgelenk und Nackenmuskeln. Wenn dann aber die Reaktionen kommen, ich selbst auch viel Post und viele Informationen bekomme und erfahre, wie es dem einen oder anderen das Jahr über so ergangen ist, dann ist das eine Weihnachtsfreude, die ich nicht missen möchte.
Obwohl diese Informationen heute ja per Telefon oder E-Mail schneller zu erhalten sind.

In dem Zusammenhang überlegte ich mir, wann wohl die erste spezielle Weihnachtskarte geschrieben wurde bzw. wer das Versenden von solchen Karten eingeführt hat. Wikipedia hat mir wie immer zuverlässige Hilfe geleistet, aber auch in alten Büchern habe ich Hinweise gefunden.

Die Sache mit dem Weihnachtsbaum fing ja schon „klein“ an, indem die Menschen bereits in vorchristlicher Zeit Zweige von Bäumen oder Büschen in der Zeit der Wintersonnenwene zur Dekoration an der Außenseite der Häuser anbrachten. Über Nikolaus, Knecht Ruprecht, den Adventskranz und die Entstehung der Liedes : Stille Nacht….“ wissen wir meist Bescheid. Aber Weihnachtskarten? Wann? Warum? Wer?

Es soll wie folgt gewesen sein:
Ein britischer Staatsbeamter hatte im Dezember 1843 anscheinend wenig Zeit oder vielleicht auch keine Lust, lange Briefe zum Jahresende an seine Freunde und Verwandten zu schreiben. Mister Henry Cole dachte nach, hatte eine Idee und setzte diese sofort in die Tat um, in dem er den Maler John Callcott Horsley beauftragte, für ihn eine Karte mit dem Text: „Merry Christmas and a Happy New Year“ zu entwerfen. Der Maler versah den Text noch mit einem Gemütlichkeit und Fröhlichkeit ausstrahlenden Motiv einer Familie. Das Ganze druckte Henry Cole, der Auftraggeber, der auch eine Lithographenanstalt besaß, in einer Menge von 1000 Karten. Er verschickte sie nicht nur selber, sondern verkaufte diese zum Preis von 1 Shilling pro Stück. Das war damals ein hoher Preis. Dies soll der Anfang der Sitte gewesen sein, Weihnachtskarten zu versenden. Der Brauch setzte sich in England durch und nahm erst später von dort aus den Weg in alle Kontinente. In England wird bis heute jährlich ein Preis für die beste Gestaltung einer Weihnachtskarte vergeben.
Ein Deutscher Einwanderer namens Lous Prang soll 1874 die Weihnachtskarten in Amerika eingeführt haben. Ihm schreibt man auch die Einführung verschiedener amerikanischer Glückwunschkarten zu.

In Deutschland war es bis etwa zum Ersten Weltkrieg üblich, zu Weihnachten so genannte Wunschblätter zu verschenken in Form von an den Rändern verzierter Briefbogen, in die der Absender handschriftlich Grüße, manchmal auch Gedichte, einfügte. Um 1890 waren allerdings auch schon vereinzelt offene Postkarten mit Weihnachtsmotiven

 

Winterlandsch.PK 01.02.16 at 14.19unterwegs. Nach und nach setzten sich aber wieder Karten durch, die im Umschlag verschickt wurden. Dadurch entstanden die Doppelkarten, die vorne ein Weihnachtsmotiv zeigten und innen noch viel Platz für ausführliche schriftliche Mitteilungen hatten. Die Motive der Karten gehen mit dem Zeitgeist.
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Die Stechpalme, ein beliebtes Motiv in England

Neben den zu allen Zeiten üblichen christlichen Motiven, wurden Christbäume, Zweige, Kugeln, Kerzen, winterliche Landschaften, Liebespaare unter Weihnachtsbäumen, Familien mit Kindern, Hunden und Katzen am Kamin und unter dem Weihnachtsbaum, festlich verpackte Geschenk-Kartons, winterliche Blüten mit Bändern, Vögel auf schneeverwehten Zweigen und auch sonst allerlei Kitsch und Kunst auf die Weihnachtskarten aufgedruckt. In England und USA sind eingeschneite, festlich geschmückte Häuser, Kirchen und ganze Straßenzüge sehr beliebt. Auch Tiermotive. besonders Hunde. In Skandinavien natürlich Schlitten, Schnee und Rentiere.

Die Heilige Familie mit dem Kind ist bis heute als Hauptmotiv geblieben, aber sonst war und ist fast nichts undenkbar als Weihnachtskartenschmuck. Zur Zeit sind animierte, blinkende, glitzernde und witzige Karten sehr beliebt. Bei manchen ist der Bezug zum christlichen Ursprung gar nicht mehr erkennbar, dafür aber erfährt der Empfänger viel über die Sitten und Gebräuche in anderen Ländern. So hat sich auch in Deutschland z.B. das Motiv des Rentiers aus dem Norden offensichtlich endgültig durchgesetzt.  Scan-151221-0001.jpg

Wie auch immer die Karten gestaltet sein sollten, der Inhalt macht den Unterschied. Es ist immer gern gesehen, wenn handschriftlich ein paar persönliche Zeilen eingefügt sind, ein paar Familiennachrichten, ein schönes Gedicht, einige originell formulierte gute Wünsche. Nur den Namen des Absenders vorzufinden als Ergänzung zu den gedruckten Grußformeln auf der Motiv-Seite der Karte ist für den Empfänger immer enttäuschend.
Ein Wort darüber hinaus sollte man dem mit einer Grußkarte Beglückten schon gönnen. Dann kommt Weihnachtsfreude auf.
Das geht heutzutage natürlich auch per E-Mail. Es gibt viele schöne Motive und viele Möglichkeiten, weihnachtliche Grüße per Internet weiterzuleiten. Nicht zuletzt kann man selbst eine virtuelle Karte gestalten.

Fündig werden kann man zu diesem Thema übrigens auch in Historischen Romanen. Nicht selten werden Weihnachtsfeiern, Bräuche und das Empfangen von Weihnachtspost ausführlich beschrieben.

Nora Zorn © 2015

Quellen: Wikipedia
sowie alte Lexika und Bücher

Fotos: Eigene alte Postkarten des Autors

Stechpalme: mit Genehmigung von Frau Dr. Gunda Kraeplin

Meine 90-Jährige Freundin Lydia Grabenkamp hat mir von ihrem Alterssitz im Bergischen Land folgenden weihnachtlichen Text geschickt, den ich gerne in meinen Blog aufnehme

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„Alle Jahre wieder kommt das Christuskind…“, und alle Jahre wieder wird in den christlichen Ländern das Weihnachtsfest gefeiert, die Geburt Jesu.
Es ist das Fest der Feste, umrankt von Bräuchen, die zum Teil aus dunkler Vorzeit aufgestiegen sind. Jahrhunderte vergingen, bis der christliche Inhalt des Weihnachtsfestes sich durchsetzte und ursprünglich heidnische Elemente so fest umklammerte, dass wir heute bis an die Grundwurzeln des Geschehens zurück graben müssen, um christliches und heidnisches Gedankengut auseinander zu flechten.
Man fragt sich: Wann haben wir eigentlich begonnen, die Geburt des Herrn zu feiern? In welcher Weise wurde sie begangen? Mit lautem Jubel, Schmausen und arbeitsfreien Tagen? In stiller Andacht in Katakomben und Kirchen? Hat die urchristliche Kirche die Geburtsfeier Christi geschickt in die Zeit der römischen Saturnalien verlegt? Diese wurden in den Tagen vom 17. bis 23. Dezember nach der Bestellung der Felder gefeiert. Fast zum gleichen Zeitpunkt waren die zwölf heiligen Nächte – das Jul-Fest – der germanischen Völker. Diese glaubten, dass im heulenden Schneesturm Wotan, seine Gemahlin Berchta und ihr wildes Heer durch die Lüfte jagten. Bot die christliche Kirche den Germanen das Fest der „wihen nahten“ als Ersatz für ihr Julfest?

Die letzte Frage kann man verneinen. Schon vor der Christianisierung Germaniens berechnete im Jahr 221 n.Chr. der Römer Sixtus Julius Africanus den 25. März als den Tag der Verkündigung von Christi Geburt. Folglich war neun Monate danach sein Geburtstag. Das Neue Testament sagt über dieses Datum nichts, schildert aber eindrucksvoll, wie er bei Nacht in einer ärmlichen Höhle zur Welt kam.
Nach der Überlieferung der römischen Kirche soll Papst Julius I. , der von 337 – 352 den Stuhl Petri innehatte, aus römischen Akten den 25. Dezember als Geburtstag Jesu und den 6. Januar als Tauftag (Epiphanias) ermittelt haben.
Es besteht keine Zweifel, dass das Weihnachtsfest erstmals als Geburtstag Christi am 25. Dezember in Rom gefeiert wurde. Wir besitzen eine mit Bestimmtheit aus dem Jahre 334 stammende chronologische Sammlung unter dem Namen des Filocalus. Dieser stellte eine nach dem Kirchenjahr geordnete Liste der kirchlichen Gedenktage auf, an deren Spitze ausdrücklich der 25. Dezember als der Geburtstag Christi genannt ist.
Papst Liborius ließ im Jahre 360 in Rom eine Krippen-
Kapelle, Maria de Presepe, errichten. Dort zelebrierte er am 25. Dezember des gleichen Jahres anlässlich der Geburt des Herrn die Christmette.
Der Legende nach soll er den Grundriss des Neubaues in den im Hochsommer gefallenen Schnee eingezeichnet haben. Die Kirche wurde im 9. Jahrhundert in eine prächtige Basilika umgebaut. Heute trägt sie den Namen Santa Maria Maggiore. Sie birgt noch Mosaiken aus dem 13. Jahrhundert. Die jetzige Fassade stammt aus dem Jahre 1800. Santa Maria Maggiore ist noch heute der Mittelpunkt einer innigen, volkstümlichen Verehrung der jungfräulichen Mutter mit dem Kinde. Junge römische Frauen, die sich ein Kind wünschen, tragen hier ihre Bitte als Gebet vor. Im weltstädtischen Getriebe Roms erscheinen in der Weihnachtszeit Hirten aus den Albaner Bergen. Sie besuchen die Madonna, gekleidet in zottige Schafspelze und musizieren auf ihren Schallmeien für das Kind in der Krippe.
Von Rom aus ist im Zuge der Christianisierung das Weihnachtsfest verbreitet worden. In Konstantinopel wurde es zuerst 379 gefeiert. Chrysostomus von Antiochien nannte es am 25. 12. 388 „Die Mutterstätte aller Feste“. Der Frankenkönig Chlodwig ließ sich nach seinem Übertritt zum Christentum am 25. Dezember 496 in Reims taufen. Unter Karl dem Großen wurde Anno 813 auf der Synode zu Mainz das Weihnachtsfest ausdrücklich als Kirchenfest bezeichnet und endgültig Anno 1310 zu Köln festgelegt.
Lydia Grabenkamp