Rachel Carson: Der stumme Frühling

Kirschblüten.002Der Klimawandel, der ja in allen Medien ein großes Thema geworden ist, istder Anlass, uns während des monatlichen Lesekreis-Treffens mit dem bereits 1962 in Amerika erschienenen Buch der Biologin Rachel Carson zu befassen.

Rachel Carson (1907-1964) war die erste Autorin, die sich schon früh mit dem Einfluss befasste, den chemische Pflanzenschutzmitteln auf Pflanzen, Tiere und Menschen haben. Ein Brief der Journalistin O.O. Huckins, in dem sie über die verheerenden Auswirkungen von Pestizid-Sprühflügen über einem Vogelschutzgebiet berichtete, gab den Anstoß für Rachel Carson, sich intensiv mit diesem Thema zu befassen und (nach einigen anderen Büchern) dieses Buch zu schreiben. Rachel Carson schrieb „Silent Spring“ als frühe Warnung für Landwirte und alle verantwortungsbewussten Mitmenschen, auf die Folgen für die Umwelt und das Weltklima zu achten in allem, was sie tun. Sie widmete ihr Buch dem Friedensnobelpreisträger Albert Schweizer, der zuvor vor den Folgen der Nuklearwaffen gewarnt hatte. Das Buch sensibilisierte viele Menschen für Umweltthemen und wurde zu einem der meistgelesenen und einflussreichsten Bücher der weltweiten Umweltbewegung, geriet aber zeitweise auch etwas in Vergessenheit. Die spürbare Erderwärmung in den letzten Jahren hat dem Buch : Der stumme Frühling“ (in Deutschland veröffentlicht 1968) wieder mehr zu der ihm gebührenden Beachtung verholfen.

Rachel Carson’s Buch löste in den USA heftige politische Reaktionen aus und führte zum späteren DDT-Verbot. Posthum wurde die Schriftstellerin und Biologin 1980 mit der Presidential Medal of Freedom, der höchsten zivilen Ehrung der USA, ausgezeichnet.

Zum Inhalt des Buches:

Es beschreibt im Eingangskapitel eine fiktive Kleinstadt, deren vormals reiche Tier- und Pflanzenwelt nach dem Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln nach und nach zu Grunde geht. Auch viele Menschen erkranken auf unerklärliche Weise. Diese Erzählung, die sich sehr gut in das Sachbuch über biologische Zusammenhänge einfügt, trägt auf angenehme Weise zum Verständnis bei. 

In den folgenden Kapiteln widmet sich die Autorin den damals kaum genügend eingeschätzten Auswirkungen von Insektiziden. 

Im dritten Kapitel beschreibt sie die Wirkung und Inhaltsstoffe der damals beliebten  Herbizide DDT, Chlordan, Dieldrin, Endrin, Aldrin und Heptachlor.

Die folgenden Kapitel folgen dem Weg der Schadstoffe, die über die verschiedenen Stufen der Nahrungskette am Ende auch den Menschen erreichen.

Sehr anschaulich erklärt Rachel Carson, wie über das Bienensterben, das die Bestäubung der Obstbäume immer weniger möglich macht, das Aussterben der Arten in Gang kommt. Wie über den mit Pestizid-Rückständen angereicherten Regenwurm, den die Vögel als Nahrung bevorzugen, viele Vogelarten zu Grunde gehen. Es wird deutlich, wie in der Natur alles mit allem zusammenhängt.

Das Buch enthält viele Fakten, ist jedoch durch Erlebnis- und Erfahrungsberichte einzelner Menschen aufgelockert, so dass es auch für Laien sehr gut lesbar ist.

Nach dem Lesen dieses Buches versteht jeder, dass ein direkter Zusammenhang besteht zwischen Wiesen, auf denen keine Wiesenblumen mehr blühen und den Bienen, die auf den Nektar der Blüten angewiesen sind. Wenn die Bienen keine ausreichende Nahrung mehr finden, dann wird die Menge der Bienenvölker, die für die Bestäubung unserer Obstbäume sorgen, immer geringer.

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Blüte des Muskateller-Salbei, besonders gerne von Hummeln besucht

 

Und der Ertrag der Bäume wird ebenfalls weniger. So hängt eines mit dem anderen zusammen. Die Landschaft würde sehr gewinnen, wenn durch weniger Spritzmittel wieder blühende Wiesen unsere Augen und Sinne erfreuen und für ein natürliches Gleichgewicht in der Natur sorgen würden. 

Das Buch „Der stumme Frühling“ kann zum Verständnis dieser  Zusammenhänge  beitragen und aufzeigen, dass wir schon viel zu lange unsere Augen vor diesen Tatsachen verschlossen haben.  

 

E.Z. ©2019  , Fotos: E.Z., Privat