Quitte im Schneewittchen-Modus

Obwohl ich nun schon seit fast zehn Jahren keinen Quittenbaum mehr habe, ist für mich im Oktober immer noch Quittenzeit, wenigstens in Gedanken. Ich erinnere mich an die körperlich anstrengende Zeit, in der ich die Birnen-Quitten aus unserem Garten verarbeiten musste, was für die Handgelenke und den Rücken nicht besonders gut war. Quitten sind sehr hart, sie müssen vor dem Kochen erst  mit einem Baumwolltuch von dem Flaum befreit werden, der auf der glatten, wie mit Wachs überzogenen Schale sitzt. Dann glänzt die Quitte wie poliert. Nun wird Sie entweder geschält, was auch nicht so leicht ist, denn die Schale ist fest mit dem Fruchtfleisch verbunden. Ich habe sie nicht geschält, sondern mit dem größten und schärfsten Messen unter Mühe nur halbiert und in Achtel geteilt, dann mit Wasser aufgegossen, bis die Masse im Topf bedeckt war und dann gekocht. Der Saft wurde dann abgegossen und zu Gelee verarbeitet, der Trester zu verschiedenen anderen Köstlichkeiten. Aber darüber wollte ich heute nicht schreiben, sondern darüber, wie sehr ich den Duft der Quitten liebe. Ich koche mir keine Marmelade oder Gelee mehr, da sich der Arbeitsaufwand für eine Person nicht lohnt und außerdem die Arthrose in meinen Handgelenken mir das übel nehmen würde. Vor einigen Jahren habe ich aber eine Methode entdeckt, wie ich mir den Duft der Quitte über Monate erhalten kann, wenigstens um daran zu schnuppern und mich an die reichliche Quittenernte von früher zu erinnern.

Ich habe mir eine sehr frische, handtellergroße Birnenquitte gekauft und diese in einen Glasbehälter mit lose aufliegendem Deckel gelegt, einfach deshalb, weil diese Behälter da war und gerade von der Größer her passte.

Nun konnte ich die Quitte von Oktober 1916 bis zum nächsten September 1917 beobachten, wie sie sich in dem fast luftdichten Gefäß entwickelte. Ich konnte es kaum glauben, dass sie nicht matschig wurde oder im Ganzen faulte oder viele faule Stellen bekam. Sie wurde nur von Monat zu Monat etwas kleiner, gegen Ende August dann etwas schrumpelig, aber verglichen mit einem Apfel nur wenig. Auf einer Seite entstand ein brauner Fleck, der aber im Innern nach dem Aufschneiden gar nicht so groß war, wie ich befürchtet hatte . Insgesamt gesehen war das Fruchtfleisch noch immer saftig uns essbar.

Immer, wenn ich den Deckel abnahm, duftete die Quitte zu meiner Überraschung fast ein Jahr lang ganz intensiv und unverändert . Das gefiel mir und ich werde mir in den nächsten Tagen wieder eine Quitte kaufen und sie wie Schneewittchen in ihrem Glassarg ruhen lassen, zu meiner Augenweide und um meinen Geruchssinn zu erfreuen.

Hier ein paar Fotos von dem Fortgang des Quitten-Experimentes (leider habe ich kein Foto von der frisch in den Glasbehälter gelegten Quitte im Oktober 1916):

Inneres d. Quitte nach 11 Monaten
Quitte im Glas nach 11 Monaten

Quitte nach 11 Monaten im Glas mit Deckel

Fotos: E.Z., Privat